«Islamogauchisme»: Ein Schlagwort sorgt in Frankreich für Konfusion


Seit Tagen streiten Politiker und Forscher in Frankreich darüber, ob der «Islamogauchisme» die Universitäten vergiftet. Doch selbst jene, die das Phänomen anprangern, scheinen sich nicht ganz klar darüber zu sein, worum es dabei eigentlich geht.

Ulrich von Schwerin | Neue Zürcher Zeitung

Breitet sich an den französischen Universitäten die Ideologie des «Islamogauchisme» aus? Darüber wird derzeit heftig diskutiert. Benjamin Mengelle / Imago

Seit die französische Forschungsministerin Frédérique Vidal vergangene Woche eine Untersuchung zur angeblichen Ausbreitung des «Islamogauchisme» an den Universitäten angekündigt hat, tobt in Frankreich eine heftige Debatte über den Begriff.

Sowohl die Regierung als auch die Wissenschafter sind gespalten: Auf der einen Seite stehen die Kritiker des Begriffs, die das Phänomen bestenfalls für marginal halten. Auf der anderen Seite seine Verteidiger, die es als unbestreitbare Realität betrachten und es überfällig finden, das Problem beim Namen zu nennen.

In den vergangenen Tagen legten beide Seiten in der Zeitung «Le Monde» ihre Sicht dar: Am Samstag veröffentlichten mehr als sechshundert Dozenten und Forscher einen äusserst scharf formulierten Meinungsbeitrag, in dem sie Vidal eine «Hexenjagd» auf Forschungsbereiche wie die Postkolonialismus-Studien vorwarfen und ihren Rücktritt forderten. Sie diffamiere die gesamte Forschergemeinde, die sie als Ministerin eigentlich schützen solle.

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