Geschichte der Judenfeindlichkeit: Ruhelos wie Kain


Peter Schäfers Geschichte des Antisemitismus ist groß in seiner Kürze. Islamischer Hass auf Juden nimmt sich im Vergleich zum christlichen Dogma marginal aus – die hässlichsten Formen des Antisemitismus sind ohnehin europäische Exportprodukte.

Gustav Seibt | Süddeutsche Zeitung

Teilnehmerin einer Kundgebung gegen Antisemitismus vor dem Hamburger Strafjustizgebäude, in dem einem Mann der Prozess gemacht wird, der im Oktober 2020 einen jüdischen Studenten schwer verletzt hat.(Foto: dpa)

Wie lang oder wie kurz ein Geschichtsbuch ist, das ist keine äußerliche Frage. Kurze und zugleich umfassende Darstellungen mögen für Leser einfach und entgegenkommend wirken, für die Verfasser stellen sie eine enorme Herausforderung dar. Wie ein Zoom schaffen sie Überblick, sie nähern sich der Theorie an.

Aber der Zoom der Historiker verfährt nicht mechanisch wie auf Google Maps, er ist an jedem Punkt eine Entscheidung über Auswahl, Gewichtung, zugleich von sprechenden Details und guten Zitaten. Ohne diese würden die Grundrisse abstrakt bleiben. These und Erzählung müssen sich verschränken. Gelingt so eine schmale Synthese, dann ist sie oft mehr wert als vielbändige Handbücher.

Peter Schäfers „Kurze Geschichte des Antisemitismus“ verdient eine solche Vorüberlegung. Sie ist ein Meisterwerk, das sich leicht und packend liest, das die Gedankenarbeit, die hinter ihm steht, dabei menschenfreundlich verbirgt.

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