Drug Use for Grown-Ups


Die deutsche Wikipedia kennt keinen Carl Hart (* 1966). In der englischen sieht man ihn aber, den immer noch jugendlich wirkenden Afro-Amerikaner mit den langen Dreadlocks, der schon aufgrund seiner Hautfarbe und Frisur ein bisschen aussieht wie ein – Verzeihung – Drogenkonsument.

Sebastian Scheerer | criminologia

Und das ist er auch, wie so viele Millionen. Das Besondere an ihm ist aber etwas Anderes. Nämlich erstens seine Haltung und zweitens sein Status. Da ist die verblüffende Offenheit, mit der er über seinen eigenen Konsum spricht – und zwar ausgerechnet von Heroin, PCP und dem offenbar besonders angenehmen 6-APB (merken!).

Und da ist dann die nahezu unglaubliche Tatsache, dass es sich nicht etwa um die Lebensbeichte eines entlassenen Strafgefangenen handelt, sondern um das Buch eines leidenschaftlichen Vaters, wahrscheinlich mindestens good enough Ehemannes und vor allem eines weltbekannten und renommierten Neurowissenschaftlers, des übrigens ersten afro-amerikanischen tenured professor in den Naturwissenschaften an der New Yorker Columbia University in der Geschichte dieser zweifellos elitären Bildungsanstalt.

Im Laufe seiner Forschungen fielen ihm nach und nach die Irrtümer der herrschenden Lehre auf. Inzwischen ist er nicht nur von der Vorstellung von addiction as a brain disease weit abgekommen (was er überzeugend darzustellen weiß), sondern scheut auch nicht vor einer Problematisierung des Hypes um harm reduction zurück.

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