Homo erectus: Der unfassbare Frühmensch


Der Vorläufer von Homo sapiens verblüfft durch seine Uneinheitlichkeit. Neue Fakten erweitern das Bild dieses Frühmenschen – und lassen den herkömmlichen Artbegriff verschwimmen.

Thorwald Ewe | Spektrum

Kein Zweifel: Homo erectus hat die unangefochtene Pionierrolle in unserer Ahnenreihe – eine Menschenform der Superlative. Er war der Erste, der in seinen Körpermaßen und Proportionen dem Menschen der Gegenwart ähnelte. Er war der erste Hominine, der in der Savanne vom Gejagten zum Jäger wurde. Und vermutlich nutzte er als Erster das Feuer.

Die Liste ist noch länger. Homo erectus (von lateinisch = erectus, aufgerichtet) ist laut Fundlage der früheste Hominine, der sich von Afrika aus nach Eurasien ausgebreitet hat. Out-of-Africa I nennen die Paläoanthropologen das Szenario dieser ersten Expansion aus der Menschheitswiege. Sie hat offenbar ziemlich rasch nach dem ersten Auftritt des Homo erectus auf der Weltbühne stattgefunden: Zwei Millionen Jahre alt ist das bislang früheste Fossil, ein Kinderschädel mit der Katalognummer DNH 134. Der Paläoanthropologe Andy Herries hat es vor wenigen Jahren im Höhlensystem von Drimolen in Südafrika entdeckt, wie er und seine Kollegen in der Fachzeitschrift »Science« berichten. Und bereits vor 1,8 Millionen Jahren tauchte die Menschenform in Eurasien auf, an einer Fundstelle im georgischen Dmanisi im Kaukasus.

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