Sachbuch „Digitaler Faschismus“: Ideale Resonanz für eine Politik der Angst


In ihrem Buch „Digitaler Faschismus“ beschreiben Maik Fielitz und Holger Marcks, wie soziale Netzwerke zu Resonanzräumen für extreme Rechte werden, und fordern deren Regulierung.

Fridtjof Küchemann | Frankfurter Allgemeine Zeitung

Die Masjid-Al-Noor-Moschee in Christchurch nach dem rechtsterroristischen Anschlag im März 2019 Bild: Picture-Alliance/AP Photo/Vincent Yu

Von Mussolini ist die Einsicht überliefert, mit Angst sei besser Politik zu machen als mit Hoffnung. Die sozialen Netzwerke der Gegenwart hat die Einsicht reich gemacht, dass mit Angst besser Geld zu machen ist als mit Hoffnung. Bei Facebook zum Beispiel werden Beiträge bevorzugt behandelt, die Menschen alarmieren oder empören: Sie provozieren Interaktion, sei es ein Like, eine Kommentierung oder ein Weiterleiten. Sie halten ihre Nutzer im Netzwerk beschäftigt und für Werbung erreichbar. Sie werden in den Timelines der Nutzer ganz oben angezeigt.

Mussolinis Einsicht steht am Anfang seines Wegs zum Faschistenführer. Die Priorisierung von Aufregerthemen identifizieren Maik Fielitz und Holger Marcks in ihrem Buch „Digitaler Faschismus“ als eines der Prinzipien sozialer Netzwerke, die das Netz zum günstigen Resonanzraum der extremen Rechten machen. Mit der genauen Definition eines „digitalen Faschismus“ halten sich der Konfliktforscher und der Sozialwissenschaftler nicht groß auf. Ihnen genügt wenig mehr als der Verweis auf den – nach Roger Griffin – kleinsten gemeinsamen Nenner des Faschismus, das Leitbild vom Erwachen einer bedrohten Nation. Ein Vorteil für den Leser: Die instruktiven Analysen lassen sich auch auf politische Agitation beziehen, die man nicht ohne weiteres dem Faschismus zurechnen würde. Viele Erkenntnisse gelten sogar allgemein für Extremismus im Netz.

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