Helmut Schmidt: Ein Urprotestant mit schwindendem Gottvertrauen

Helmut Schmidt in 2001, Bild: wikipedia/nvpswitzerland /CC BY-SA 3.0

Kaum ein Politiker, der sich noch im Ruhestand so sehr mit politischen, gesellschaftlichen und philosophischen Fragen beschäftige wie Helmut Schmidt. Sein norddeutscher Protestantismus hat den früheren Bundeskanzler lebenslang geprägt.

Christian Berndt | Deutschlandfunk Kultur

Bundeskanzler Helmut Schmidt spielte öffentlich Bach. Er liebte geistliche Musik und hing zeitlebens an bestimmten Glaubensritualen wie zum Beispiel dem Vaterunser. Zugleich wahrte er aber auch Distanz zum Christentum: „Zum Glauben habe ich eigentlich nie ein enges Verhältnis gehabt, ich habe ihn auch nicht gesucht“, wie Schmidt einmal sagte.

Ambivalentes Verhältnis zur Kirche

„Auf der persönlichen Ebene war Helmut Schmidt eher ein protestantisch-distanziert aufgewachsener Hamburger“, so der Historiker Rainer Hering, der ein Buch über Schmidt und die Religion geschrieben hat. „Es ist relativ typisch für den Hamburger Protestantismus, keine allzu große Kirchennähe, er ist getauft worden, konfirmiert, hat kirchlich geheiratet, aber er hatte nach meiner Einschätzung keine tiefe, innerliche Beziehung zum christlichen Glauben. Aber er ist lebenslang Christ gewesen, Mitglied der evangelischen Kirche, und er hat sich auch immer als Christ bezeichnet.“

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