Klaus Pfeffer: „Die Kirche ist eine paradoxe Organisation“


Das Bistum Essen hat eine Unternehmensberatung untersuchen lassen, wie die Personalarbeit dort abläuft – die Ergebnisse haben Generalvikar Klaus Pfeffer erschreckt: intransparent, unklare Hierarchien, eine ungeklärte Rolle des Bischofs. Der Schock soll helfen, die Kirche zukunftsfähig zu machen.

Felix Neumann | katholisch.de

Bild: ©Bistum Essen/Nicole Cronauge (Archivbild)

Aus der MHG-Studie zum Missbrauch in der Kirche hat das Bistum Essen viele Arbeitsaufträge abgeleitet – unter anderem den, das eigene Personalwesen unter die Lupe zu nehmen. Die Ergebnisse der Studie der Unternehmensberatung KPMG sind deutlich: Unklare Strukturen, unklare Hierarchien, unklare Verfahren – und über all dem schwebt der Bischof in ungeklärter Rolle. Doch das Bistum lässt sich nicht entmutigen – auch wenn Generalvikar Klaus Pfeffer auch erst schlucken musste, als er die Studie las. Im Interview mit katholisch.de erzählt er, was sich im Bistum ändern muss – und warum die Kirche für ihn eine „paradoxe Organisation“ ist.

Frage: Herr Generalvikar, müssen Bischöfe mehr über ihre Macht reden?

Generalvikar Klaus Pfeffer: Nicht nur Bischöfe müssen über Macht reden. In Organisationen muss Macht grundsätzlich immer reflektiert werden.

Frage: Die durch das Bistum Essen beauftragte Unternehmensberatung KPMG hat festgestellt, dass in der Kirche das Sprechen über Macht besonders verpönt sei. Nehmen Sie das auch so wahr?

Pfeffer: Ja, und das hat auch schon eine lange Tradition. Das Wort Macht ist negativ behaftet. Wir reden lieber vom „Dienen“, weil „Macht“ den Geruch des Unanständigen hat. Macht ist aber etwas Notwendiges im Leben, wenn ich etwas bewirken will. Das ist nichts Böses. Man muss nur offen darüber sprechen. Im kirchlichen Zusammenhang müssen wir darüber sprechen, wer aus welchen Gründen, mit welchen Befugnissen und in welchem Rahmen Macht übertragen bekommt, wie der Gebrauch der Macht kontrolliert wird, ob die Begründungen für die Machtzuweisung und Machverteilung angemessen sind, welche Partizipation es gibt und anderes mehr. Vor allem wenn es um Macht geht, ist bei uns in der Kirche vieles einfach unklar, nebulös, widersprüchlich. Aus unserer Studie habe ich vor allem im Blick auf die Personalarbeit für Kleriker gelernt, dass Abläufe und Entscheidungsstrukturen nicht klar genug definiert sind.

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