Morde von Hanau: Jahrhundertealter Rassismus bricht sich seinen Weg


Ein Jahr nach Hanau müssen wir nach den gesellschaftlichen Bedingungen für die Gewalt fragen.

Hadija Haruna-Oelker | Frankfurter Rundschau

„Niemals vergessen, Hanau – 19.02.2020“. ©Christophe Gateau/dpa

Hanau hat es in keine Talkshow geschafft. Das ist ernüchternd, aber nicht überraschend. Es steht beispielhaft dafür, wie viele Menschen sich nicht mit dem Thema Rassismus verbunden fühlen oder glauben, dass es keinen Aufmacher wert ist. In mir hallt der Jahrestag der Morde noch nach.

Hanau ist überall.“ Keine Vergangenheit, sondern Sorge in der Gegenwart. Das wissen und spüren hierzulande viele nicht, weil sie lieber dem Mythos von Einzeltat und -täter folgen. Das ist gefährlich, weil es ein gesamtgesellschaftliches Problem verkennt. Genauso falsch ist die Annahme, dass Rechtsextremist:innen nichts mit unserer Mitte zu tun hätten. Doch ist es genau sie, die die Täter von Hanau und Halle, den Mörder von Walter Lübcke oder den NSU hervorgebracht hat.

Hanau geht uns alle an

Hanau geht uns alle an. Es hat wenig Nutzen, sich kurzzeitig zu erregen. Antirassismus und Antiantisemitismus sind ein solidarischer Widerstand im Bündnis. Es heißt sich auseinanderzusetzen mit den eigenen verinnerlichten Vorstellungen, dem eigenen Denken über die vermeintlich anderen: die Muslim:innen, die Juden und Jüdinnen oder Romn:ja und Sint:izze. Raus aus dem „Integrationstheater“ und eine Antwort auf die Frage finden, warum manche die Tasche fester greifen, wenn sie einem Schwarzen Menschen begegnen, und warum Letztere häufiger als weiße Menschen von der Polizei kontrolliert werden.

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