Reisinger und Röhl sehen beim Ex-Papst Versagen auf ganzer Linie: Eine tiefschwarze Abrechnung mit Joseph Ratzinger


Seit acht Jahren ist das Pontifikat von Benedikt XVI. beendet. Aber noch immer sorgt sein Wirken in der Kirche für Kontroversen. Ein neues Buch hält ihn für einen Hauptschuldigen am Missbrauchsskandal der katholischen Kirche.

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Die Beziehung der deutschen Katholiken zu „ihrem Papst“ Benedikt hat Züge einer tragischen Vater-Kind-Geschichte. In den 1960er Jahren galt er als einer, der die katholische Dogmatik aufmischte, einer der herausragenden Theologen des großen vatikanischen Reformkonzils, einer, zu dem man aufblickte. Als er 20 Jahre später als oberster Glaubenshüter Abweichler maßregelte und die Grenze zwischen dem, was katholische Wahrheiten und dem, was gefährliche Irrlehren waren, bewachte, verdunkelte sich das Bild. Er wurde zum Feindbild all jener, die sich eine freie Theologie mit zeitgemäßen Ansätzen in Dogmatik, Liturgie, Moral- und Soziallehre wünschten.

Verwundert sahen sie dann, wie andere ihn nach seiner Wahl zum Papst bejubelten, und kurz jubelten sie mit. Bis er im Laufe seines Pontifikats den Ultra-Konservativen entgegenkam, und mit missverständlichen Äußerungen zum Islam oder zum Judentum Krisen auslöste. Aus dem gefürchteten Bestrafer wurde für seine Kritiker nun der ungeschickt im Führungsamt stolpernde Alte, der auf Kritik bald lamentierend und bald grantelnd reagierte. Erst als er freiwillig zurücktrat, sprach man wieder mit Respekt von ihm – der freilich abrupt endete, als er sich vom Altenteil erneut mit konservativen (und missverständlichen) Positionen zu Wort meldete.

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