Die in die Pleite getriebenen Kreativen


Ein Jahr Pandemie, die zweite Welle durchgestanden, Deutschland im andauernden Lockdown. Wie geht es den Kreativen, den Künstlerinnen und Künstlern, denen seit einem Jahr ihre Existenzgrundlage weitgehend entzogen wurde?

Andrea Naica-Loebell | TELEPOLIS

Eine Initiative von Musikern für die Unterstützung von Bands, Foto: A. Naica-Loebell

Es geht ihnen schlecht und ist erstaunlich, wie wenig von ihnen zu hören oder zu sehen ist. Während andere Wirtschaftsverbände sich beinahe täglich vehement zu Wort melden, sind Kulturschaffende fast völlig im Dunkeln verschwunden.

Kunst und Kultur, die ganze Veranstaltungsbranche, die gesamte Kreativwirtschaft gehören zu den größten Verlierern des vergangenen Jahres, oder wie die Bundesregierung es formuliert: „Die Corona-Pandemie trifft die Kultur- und Kreativwirtschaft mit besonderer Härte.“

Die Bühnenkünstler erleben einen kompletten Stillstand, aber die Existenz vieler anderer Kreativer ist ebenfalls stark gefährdet. Die Corona-Politik bedeutete für viele faktisch ein mehr oder weniger umfassendes Berufsverbot. Die Ausübung ihrer professionellen Tätigkeiten wurde ihnen weitgehend untersagt.

Eine Feststellung, die für ganz Europa gilt. Eine neue Analyse der Unternehmensberatung Ernst & Young zeigt, dass der Umsatzverlust der Branche im vergangenen Jahr satte 31 Prozent betrug. Die Kreativwirtschaft, zuvor ein stark wachsendes Schwergewicht mit einem jährlichen Umsatz von 643 Milliarden Euro und 7,6 Millionen Beschäftigten, gehörte damit zu den am stärksten von der Krise betroffenen Wirtschaftszweigen in der EU, und übertrifft sogar den Tourismus (minus 27%) deutlich.

Not und fehlende Hilfen

Europaweit arbeiteten Kreative weit überwiegend in kleinen und mittleren Betrieben, ein Drittel sind Selbständige. Für sie gab es kein Kurzarbeitergeld und es dauerte lange, bis ihre Lebenswirklichkeit überhaupt von der Politik wahrgenommen wurde.

Im ersten Lockdown gab es staatliche Hilfe nur für Betriebskosten, was an der Realität der selbständigen Kreativen häufig komplett vorbeilief, denn viele haben kein eigenes Büro, kein eigenes Studio oder Atelier angemietet und kaum bis gar keine Betriebskosten.

Für sehr viele künstlerisch Tätige stellte sich sehr schnell die Frage wie sie in den pandemischen Zeiten überhaupt überleben, ihre Miete und ihren Lebensunterhalt zahlen sollen. Verbände wie der BBK (Bundesverband Bildender Künstlerinnen und Künstler) protestierten, aber während durch erfolgreiche Lobbyarbeit anderer Verbände, z.B. der Automobilwirtschaft, milliardenschwere Hilfsprogramme plus Kurzarbeitergeld auf den Weg gebracht wurden, verwies die Politik Künstlerinnen und Künstler für ihre Lebenshaltungskosten eine ganze Weile vor allem auf die vorübergehend erleichterte Grundsicherung, also Hartz IV.

Kreative Solo-Selbständige hatten das Gefühl ins Bodenlose zu stürzen. Ohne jedes eigene Zutun gerieten sie durch die verordneten Corona-Maßnahmen zunehmend in eine fundamentale Existenzkrise.

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