Joseph Croitoru – „Al-Aqsa oder Tempelberg“: Auf ewig umkämpft


Soweit dem Autor dieser Zeilen bekannt, ist die Kapitale des jüdischen Staates die einzige Hauptstadt der Welt, nach der ein psychiatrisches Krankheitsbild benannt ist. Anfang der 1980er Jahre diagnostizierte der israelische Arzt Yair Bar-El anlässlich eines von jüdischen Terrorist:innen unternommenen Versuchs, den muslimischen Felsendom in die Luft zu sprengen, erstmals einen Fall des „Jerusalem-Syndroms“, das in den Jahren von 1970 bis 1986 bei etwa eintausend christlichen und jüdischen Jerusalem-Tourist:innen ausgebrochen sei.

Micha Brumlik | Frankfurter Rundschau

„Die Erkrankung“ so eine lexikalische Definition „hat den Charakter einer Psychose und äußert sich unter anderem in religiösen Wahnvorstellungen: Der oder die Betroffene identifiziert sich z.B. in einigen Fällen mit einer heiligen Person aus dem Alten oder Neuen Testament und gibt sich als diese aus.“

Anders als die beiden anderen Ursprungsorte der westlichen Kultur, anders als Athen und Rom war Jerusalem – seine Gründung im Jahre 1200 vor der Zeitrechnung wird dem biblischen König David, der Bau des Tempels seinem Sohn Salomon zugeschrieben – seit Anbeginn umkämpft. Etwa zweihundertfünfzig Jahre nach der Zerstörung des jüdischen, des herodianischen Tempels durch römische Legionen im Jahre 70 fand die Mutter Kaiser Konstantins im frühen vierten Jahrhundert unter einem paganen Tempel Hinweise auf Tod und Auferstehung Jesu.

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