Wie der Gottesbezug in die Präambel des Grundgesetzes kam


Als der Zweite Weltkrieg endet, tut sich ein Machtvakuum in Deutschland auf. Die katholische Kirche nutzt dies geschickt und drückt der Verfassung ihren Stempel auf. So entstehen Privilegien, die in einer pluralen Gesellschaft immer problematischer werden.

Stefanie Oswalt | Deutschlandfunk Kultur

Die Bundesrepublik Deutschland war und ist ein säkularer Staat – aber kann man ernsthaft von einer Trennung von Kirche und Staat sprechen? (picture alliance / dpa / Magnussen-Foto)

Mai 1945. Deutschland ist zerstört, physisch und moralisch am Boden. In Besatzungszonen aufgeteilt. Die Eliten verhaftet, untergetaucht, auf der Flucht. Der zuvor allmächtige Führer – tot. Die Feldzeichen seiner ideologischen Herrschaft begraben unter den Ruinen des Krieges.

„Die Kapitulation des Deutschen Reiches, das kann man sich heute – es sind ja schon mehr als 75 Jahre her – gar nicht vorstellen, was das hieß: Es gab keinen deutschen Staat mehr. Es gab keine politische Artikulation von Parteien, staatlichen Vertretern und so weiter mehr. Es war ein Freiraum entstanden, wo die Bevölkerung sozusagen schutzlos den Alliierten überlassen war. Und in diesen Raum ist dann die katholische Kirche ganz entschieden hineingetreten.“

Das sagt der Politologe Carsten Frerk. Er hat in zahlreichen Publikationen die Verknüpfung von Staat und Kirche kritisch beleuchtet.

Reorientierung durch Rechristianisierung

„Sie müssen sich vorstellen, dass wir in einer Situation sind, in der viele Orientierungsgrößen komplett abgewirtschaftet haben und jetzt setzen nicht nur die Kirchenleute selbst, sondern auch viele politische Kräfte darauf, dass man nun eine Reorientierung finden würde durch eine Rechristianisierung.“

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