Warum Frankreich nach 60 Jahren nun eine Staatslüge eingesteht


Emmanuel Macron „anerkennt“ die Folter und Ermordung eines algerischen Widerstandskämpfers im Unabhängigkeitskrieg gegen Frankreich. Das ist nur der Anfang

Stefan Brändle | DERSTANDARD

Mit eiserner Faust herrschte Frankreichs Armee über Algerien. Foto: AP Photo, File

Der Algerienkrieg, eines der grausamsten und zentralsten Kapitel der Dekolonisierung, ist in Frankreich auch 60 Jahre „danach“ keineswegs bewältigt. Die Spannungen zwischen Algier und Paris bleiben beträchtlich. Es ist Emmanuel Macron hoch anzurechnen, dass er sich des Themas trotzdem immer wieder annimmt. Dabei spielt sicher mit, dass er anderthalb Jahrzehnte nach dem Kriegsende von 1962 geboren ist.

Aber es nicht nur eine Altersfrage. Der französische Präsident hat schon mehrfach klargemacht, dass er die Ambivalenz vieler französischer Politiker und Historiker in der Kolonialfrage nicht teilt. 2017, also lange vor „Black Lives Matter“ oder ähnlichen Bewegungen, bezeichnete er den Kolonialismus als „Akt der Barbarei“, dann sogar als „Verbrechen gegen die Menschlichkeit“. Ein Jahr später bezichtigte er die französische Armee des Mordes an Maurice Audin, einem französischen Mathematiker und Kommunisten, der für die Unabhängigkeit Algeriens eingetreten war.

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