„Vakzine haben keine Ideologie“


Das Desaster der EU-Impfstrategie hat dazu geführt, dass die Kritik an russischen und chinesischen Impfstoff leiser geworden ist. Es ist ein Erkennen der realen Machtlosigkeit der EU

Peter Nowak | TELEPOLIS

„Über Israel lacht die Sonne und über die EU die ganze Welt.“ Dieser Witz wird in Israel oft gebraucht, um sich darüber lustig zu machen, dass die EU die israelische Politik gegenüber den Palästinensern oft mit großer Verve in Resolutionen kritisiert, ohne dass dies größere Konsequenzen hätte.

Dazu hat die EU weltpolitisch weder Einfluss noch Macht, zudem ist sie sich, ebenso wie in so vielen anderen Fragen, auch in der Causa Israel keineswegs einig. Das liegt eben an den unterschiedlichen Interessen der einzelnen Länder. So pflegt die französische Politik ihre guten Beziehungen zu bestimmten arabischen Regierungen und muss daher öfter mal auf Distanz zu Israel gehen.

Sehr enge Beziehungen zu Israel hat schon länger Dänemark, das beispielsweise in der Auseinandersetzung über die Mohammed-Karikaturen zum Feindbild vieler islamischer Bewegungen wurde. Diese unterschiedlichen Interessen und Konflikte werden auch unter dem Dach der EU weiter ausgetragen und brechen auch jetzt auch bei dem Umgang mit dem Impfstoff auf.

So zelebrierten die Regierungen von Dänemark, Österreich und Israel regelrecht einen Pakt gegen das Virus, als sie unter Corona-Bedingungen nach Israel reisten, um dort einen Vertrag über die Forschung, Produktion und Zulassung von Corona-Impfstoffen zu besiegeln. Man kann sich natürlich fragen, warum wird die Angelegenheit auf diese höchste Ebene gebracht, wo es doch eine Vereinbarung unter Fachpolitkern auch getan hätte.

Israel als Vorbild für eine erfolgreiche Impfstrategie?

Es war ein bewusstes Signal von Dänemark und Österreich – und dies war auch eine Kritik an der EU-Kommission, deren Impfstrategie, falls überhaupt vorhanden, nur als Desaster bezeichnet werden kann. Israel hingegen wurde mit seiner Impfpolitik zum Vorbild für viele Länder.

Der Erfolg liegt darin, dass die israelische Regierung Impfstoff aus verschiedenen Ländern gekauft hat; auf die Herstellung der Impfstoffe im eigenen Land legte Israel bislang keinen Schwerpunkt. Darauf wiesen auch Medien in Dänemark hin, die anzweifelten, ob die große politische Geste mit dem Besuch in Israel unter Corona-Bedingungen nötig gewesen wäre. Vor allem weil die dänische Ministerpräsidentin sogar eine mehrtägige Quarantäne nach ihrer Rückkehr dafür in Kauf nimmt.

weiterlesen