Der Terror der guten Gesinnung ist schnell angeprangert


Wo Prinzipien für Auseinandersetzungen sorgen: Ein Sammelband versucht sich an der Klärung der Frage, wie weit der Vorwurf des Moralismus trägt.

Gerd Schrader | Frankfurter Allgemeine Zeitung

Ein „besonders schwerer Fall rigider Lebensfeindlichkeit“: der Philosoph Immanuel Kant Bild: Picture-Alliance

Moral, so ist in den letzten Jahren in Publikationen vor allem von Philosophen und Soziologen zu lesen, die im politischen Spektrum eher als konservativ gelten, sei die neue Religion. In einer Gesellschaft, die sich selbst als aufgeklärt und vorurteilsfrei verstehe, triumphiere die vermeintlich gute Gesinnung über die Urteilskraft, nämlich die Fähigkeit, komplexe Probleme nüchtern zu diskutieren und zu lösen, ohne Andersdenkende als unwissend, egoistisch oder böswillig zu disqualifizieren. Moral verkomme zur Feier der eigenen Vortrefflichkeit. Den so Gescholtenen wird vorgehalten, sie argumentierten moralistisch. Ein Vorwurf, der gerne wenig verändert zurückgegeben wird. Die Fragen liegen da auf der Hand: Was unterscheidet Moralismus von berechtigter moralischer Kritik? Gibt es verschiedene Formen moralistischer Rhetorik? Neigen bestimmte Richtungen der Moralphilosophie zu Moralismus?

Nun ist ein Band mit Aufsätzen erschienen, die diese Fragen aus philosophischer, politischer und psychologischer Perspektive zu beantworten suchen. Behandelt werden auch aktuelle Aspekte der Moralismus-Debatte in Medien und Publizistik, zu Veganismus, der Höhe von Managementgehältern, zu Migration und Flüchtlingen, zu Online-Medien.

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