In des Herren Wunden scheißen


Gerd Schwerhoffs „Verfluchte Götter: Geschichte der Blasphemie“ erzählt die Karriere eines Delikts als Identitätsmaschine. Und enttäuscht.

Steffen Greiner | taz

Gotteslästerung par excellence: Jesusfigur, gekreuzigt auf einem US-Kampfjet Foto: Kim Schwarz/dpa

Wenn Verbrechen Comebacks feiern könnten, dann wäre die Blasphemie ungefähr in der Liga von Guns N’ Roses und Spice Girls: künstlerisch vielleicht nicht wertvoll, aber mit ordentlich Hype. Die Gotteslästerung, lange als mittelalterliches Spurenelement im modernen Rechtsstaat erachtet, ist mit den dänischen Mohammed-Karikaturen und dem Anschlag auf das französische Magazin Charlie Hebdo zurück in den Schlagzeilen.

Und wirft zentrale Fragen postmoderner Identitätsdiskurse auf: Wer darf eigentlich wie wen lästern, wer besitzt das Privileg zum Beleidigtsein, wer jenes zum Beleidigen? Dabei schlägt Gerd Schwerhoff, Historiker mit Schwerpunkt Frühe Neuzeit, in „Verfluchte Götter“, seiner aktuellen historischen Gesamtdarstellung der Blasphemie, eigentlich vor, die Gotteslästerung nicht von Extremen aus zu betrachten, sondern in ihrer Alltäglichkeit.

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