Vogelgrippe – wie ein Virus die Welt erobert


Landauf, landab wird hierzulande wieder Geflügel eingesperrt. Wo nahm das Virus eigentlich seinen Anfang? Und wie konnte es sich so schnell ausbreiten?

Susanne Aigner | TELEPOLIS

Bild: Sigmund/Unsplash

Anfang Februar gab es in der Uckermark in Brandenburg zwei Ausbrüche von H5N8 in einem Putenmastbetrieb mit 14.000 Tieren. Der ganze Bestand wurde gekeult. In Mecklenburg-Vorpommern im Landkreis Vorpommern-Rügen grassierte das Virus in einem Mastbestand mit 19.700 Puten (Übersicht über neue Fälle hier). Zudem wurde es bei Tieren im Tierpark Grimmen nachgewiesen, nachdem mehrere Hausgänse verendet waren. Gekeult wurden aber nur jene Tiere, die sich zu nah bei den verendeten Gänsen aufgehalten hatte.

Bald darauf wurden neue Fälle aus einer Putenhaltung in Glasin und aus Hobbygeflügelhaltung in Gadebusch gemeldet. Am 25. Februar kam ein neuer Fall aus dem Landkreis Rostock hinzu. In den Landkreisen Rügen und Greifswald wurde Stallpflicht angeordnet. Auch in Niedersachsen fand man infizierte Wildvögel. Hier wurden teilweise Aufstallungspflichten verhängt, ebenso in Sachsen. In Nordthüringen wurde die Stallpflicht in fast allen Kreisen und Städten bzw. Gemeinden nach kurzer Zeit nach und nach wieder aufgehoben.

In Bayern, wo am 6. Februar das Virus bei einer verendeten Graugans nachgewiesen, gilt in einigen Landkreisen Stallpflicht für Geflügel. In Schleswig-Holstein wurden zum Jahreswechsel in einer Gänsehaltung im Kreis Dithmarschen 1.800 Tiere getötet.

Inzwischen traten weitere Fälle von Geflügelpest an der Westküste auf, weshalb die landesweite Stallpflicht, die seit November 2020 gilt, bestehen bleiben soll. Einzig in NRW gibt es keine Stallpflicht, obwohl auch hier verendete Wildvögel entdeckt wurden.

Die Ausbreitung der Geflügelpest bei Wildvögeln in einigen Regionen wurde zum Ende des Jahres durch das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) bestätigt. Demnach war die Anzahl infizierter Wildvögel laut FLI bis Ende Dezember auf rund 16.000 Ende Dezember gestiegen. Nutz- und Heimtiere sollten unbedingt von Futter- und Trinkstellen der Wildvögel ferngehalten werden, warnte die Verbraucherzentrale.

Zuletzt machte der Subtyp H5N8 in Deutschland 2017 von sich reden, als in Mitteleuropa Hunderttausende Vögel getötet werden mussten. Eine Übertragung über Lebensmittel galt bisher als unwahrscheinlich. Im Dezember sollen sich allerdings im Süden Russlands sieben Mitarbeiter einer Geflügelfarm mit H5N8 angesteckt haben – mit mildem Krankheitsverlauf -, wie kürzlich bekannt wurde.

Inzwischen beauftragte Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner neben dem FLI und dem RKI auch das Bundesinstitut für Tierseuchen sowie die Universität Rostock mit einer Studie, um die Infektionsrisiken für Menschen besser beurteilen zu können. So soll bei Ausbrüchen in Deutschland vorsorglich ein Monitoring der Personen initiiert werden, die in Kontakt mit infizierten Tieren kommen. Bestehende Vorsorgekonzepte sollen an das derzeitige Geschehen angepasst werden.

weiterlesen