Ursula von der Leyen: „Erwarten ab April im Schnitt 100 Millionen Impfdosen pro Monat“


Die EU-Kommissionspräsidentin erklärt, wie die Engpässe bei Produktion und Lieferung beseitigt werden sollen und warum sie sich für Schwaz in Tirol persönlich ins Zeug warf

Interview Thomas Mayer | DERSTANDARD

Die Verfügbarkeit von Corona-Impfstoff steht in Europa offenbar gerade vorn einem Wendepunkt, wie EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen im STANDARD-Interview deutlich macht: „Ab April könnten sich die Mengen nach den Plänen der Hersteller noch mal verdoppeln“. Das bedeute: „Das wären im zweiten Quartal im Schnitt rund 100 Millionen Dosen pro Monat, insgesamt 300 Millionen bis Ende Juni“, sagt von der Leyen.

Die Präsidentin warnt wegen der Virusvarianten aber vor vorschnellem Optimismus und mahnt im Zusammenhang mit den zusätzlich für die Tiroler Gemeinde Schwaz bereitgestellten Impfdosen Solidarität ein. Kritik an der Israel-Reise von Kanzler Sebastian Kurz (ÖVP) übt sie nicht.

STANDARD: Als Sie 2019, nur wenige Monate vor Ausbruch der Corona-Pandemie, ins Amt kamen, haben Sie sich Ihre Arbeit hier vermutlich ganz anders vorgestellt. Wie haben Sie das seither erlebt, wie ordnen Sie das ein?

Von der Leyen: Für mich war es anfangs ein Gefühl wie Nach-Hause-Kommen, weil ich meine Kindheit in Brüssel verbracht habe. Da kam eine Flut von Kindheitserinnerungen. Politisch war gleich klar, dass in Europa vieles ganz anders ist als in der vorherigen Periode der Kommission. Das Europäische Parlament ist heute viel vielfältiger aufgestellt, und auch aufseiten der Mitgliedsstaaten waren EU-Skeptiker im Aufwind. Die vorangegangenen Krisen hatten tiefe Spuren hinterlassen, dazu kam der drohende harte Brexit. Das war die Begleitmusik, mit der ich angefangen habe. Ich wusste also, was auf mich zukommt, und habe mich trotz allem mit Freude in die Arbeit gestürzt.

STANDARD: Meinen Sie, von Anfang an also dringlicher, viel dichter mit Problemen belastet, und dann die Corona-Krise obendrauf?

Von der Leyen: Einerseits waren die Probleme dichter, aber andererseits auch die Chancen groß, wichtige Weichen für Europa zu stellen. Mir war völlig klar, dass wir dringend gegen den Klimawandel handeln müssen und dass wir einen Boost für die digitale Aufstellung Europas brauchen. Deswegen habe ich noch vor Beginn der Krise den europäischen „Green Deal“ auf den Weg gebracht und die Digitalisierung als Schwerpunktthema für die diese Dekade gesetzt.

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