Die Freiheit der Kunst ist bedroht


Identitäre Forderungen: Die Freiheit der Kunst erscheint nicht nur in autoritär geführten Staaten bedroht, sondern zunehmend auch in liberalen Demokratien.

Peter von Becker | DER TAGESSPIEGEL

Westliche Stereotypien und Vorurteile. Der gerade erst in den USA vom Markt genommene „Dr. Seuss“-Band „And to think that I saw it…Foto: mauritius images / UPI / Alamy

Die Freiheit der Kunst ist bedroht oder beschädigt in vielen Regionen der Welt. Noch immer gilt dies für Diktaturen oder Staaten mit verstärkt autoritären Tendenzen, bis hin zum EU-Mitglied Ungarn unter Viktor Orbán. Längst aber mehren sich auch in den liberalen, weltanschaulich offenen Demokratien, vor allem Europas und Amerikas, die Konfliktfälle.

Und es zeigt sich, dass die in vielen Verfassungen – wie im Artikel 5 des Grundgesetzes – als Abwehr gegenüber Eingriffen des Staats formulierten Freiheitsrechte hier keine unmittelbare Schutzwirkung haben. Denn die neuen Konflikte entspringen keiner Konfrontation mit Staatsorganen, sondern rühren aus der zivilen Gesellschaft. Das geläufige Stichwort „Cancel Culture“, das den Beiklang auch von nur abgesagten Terminen, Flügen, Zügen hat, macht diese Zäsur für sich allein kaum deutlich.

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