Meinung: Die katholische Kirche auf dem Weg zur Sekte


Die obersten Glaubenshüter im Vatikan sagen strikt „Nein“: Homosexuelle Paare dürfen nicht gesegnet werden. Ein weiterer Schritt der Selbstzerstörung der einst so mächtigen Kirche, meint Alexander Görlach.

Alexander Görlach | Deutsche Welle

Als Papst Benedikt XVI. bei seiner Deutschlandreise 2011 forderte, die katholische Kirche müsse sich „entweltlichen“, haben das viele als Kritik am Kirchensteuer-System verstanden: Die Kirche solle sich nicht der staatlichen Institutionen bedienen, um nicht korrumpierbar zu sein. Da die Logik „Sakramente nur gegen Geld”, nach der in der Bundesrepublik beide großen Kirchen verfahren, nicht im Einklang mit der biblischen Überlieferung und dem kanonischen Recht der Kirche steht, hat der Papst für seinen Vorstoß damals Zuspruch erhalten. Heute wissen wir, dass er etwas völlig anderes gemeint hat.

Für Joseph Ratzinger kann die wahre Kirche keine Volkskirche mehr sein. Denn im Volk, da gibt es viele verschiedene Haltungen, die alle befallen sind vom relativistischen Zeitgeist. Doch in der Kirche hat allein die Wahrheit, wie der inzwischen emeritierte Papst Benedikt sie sieht, ein Existenzrecht: Lieber wird die Kirche ein kleiner Haufen, als dass sie einen Deut von der dieser „Wahrheit“ abrückt. „Kleiner Haufen“ ist eine freundliche Umschreibung für Sekte. Die katholische Kirche ist inzwischen in dieser Sektenexistenz angekommen und das nun ausgerechnet unter dem Pontifikat von Papst Franziskus, der doch kirchenpolitisch und theologisch eigentlich am anderen Ende des kirchlichen Spektrums steht.

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