Missbrauch in der Kirche : Das Kölner Kartenhaus bricht zusammen


Das Gutachten, das Erzbischof Woelki jetzt vorlegte, zeigt das ganze Ausmaß der Pflichtverletzungen im Erzbistum Köln. Wie konnten die Beteiligten glauben, dass sie davonkommen?

Daniel Deckers | Frankfurter Allgemeine Zeitung

Nicht nur im Erzbistum Köln wird man die jüngere Zeitgeschichte in eine Phase vor dem 18. März 2021 und einer Phase danach einteilen müssen. Denn seit heute hat auch die Öffentlichkeit die Gewissheit, die der Kölner Erzbischofs Rainer Maria Kardinal Woelki seit Jahren hatte: Nicht irgendwelche Mitarbeiter in der dritten und vierten Reihe haben sich im Umgang mit Missbrauchsfällen bis in die jüngste Vergangenheit ebenso eindeutiger wie gravierender Pflichtverletzungen schuldig gemacht, sondern es waren Kardinäle von Weltrang wie Joseph Höffner und Joachim Meisner, Generalvikare wie Norbert Feldhoff und der heutige Weihbischof Dominik Schwaderlapp, die zu den stärksten Figuren unter ihresgleichen zählten, und auch der heutige Hamburger Erzbischof Stefan Heße.

Das „Nichts-geahnt“, das Meisner noch lange nach dem Bekanntwerden von mehr als hundert Beschuldigungen allein im Jahr 2010 im Brustton der Überzeugung für sich reklamierte, lässt die Balken biegen.

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