Verschlusssache Amri


Der angebliche Attentäter vom Breitscheidplatz soll gleich mehrfach bestritten haben, an der Tat beteiligt gewesen zu sein – Die Bundesanwaltschaft hat die Unterlagen gesperrt

Thomas Moser | TELEPOLIS

Breitscheidplatz am Abend nach dem Anschlag am 19.Dezember 2016. Foto: Foto: Andreas Trojak / CC BY 2.0

Der Tunesier Anis Amri, der offiziell als der Attentäter vom Breitscheidplatz in Berlin gilt, hat nach dem Anschlag offensichtlich mehrfach gegenüber Bekannten und Freunden bestritten, mit der Tat zu tun gehabt zu haben. Ein erster Hinweis darauf findet sich in den Vernehmungsunterlagen des Bundeskriminalamtes (BKA), über den Telepolis im Dezember 2020 berichtet hat (Anis Amri: „Ich habe mit dieser Sache nichts zu tun. Helft mir!!!“).

Jetzt gibt es ein zweites Beispiel, wonach Amri unmittelbar nach dem Anschlagsgeschehen mit jemandem aus dem Umfeld der Fussilet-Moschee in einem persönlichen Gespräch gesagt haben soll, er sei an dem Anschlag nicht beteiligt gewesen und werde zu Unrecht beschuldigt.

Der Sachverhalt war noch im Jahr 2020 Gegenstand von Ermittlungen. Die Bundesanwaltschaft hat die Akten dazu als geheim eingestuft und hält sie sowohl gegenüber den eigentlich einsichtsberechtigten Opfern und ihren Anwälten als auch für die gewählten Abgeordneten unter Verschluss. Mit ein Grund wird sein, dass ein staatlicher Informant darin verwickelt ist.

Zweifel daran, dass Amri jener Mann war, der am 19. Dezember 2016 den LKW in den Weihnachtsmarkt gelenkt und insgesamt zwölf Menschen ermordet hatte, ergeben sich bereits seit einiger Zeit aus einer Reihe objektiver Spuren. Einige von ihnen kamen auch im Untersuchungsausschuss des Bundestags zur Sprache: fehlende Fingerabdrücke und nicht belastbare DNA-Fragmente von Amri im Tat-LKW. Stattdessen fanden sich Spuren einer bisher nicht identifizierten „unbekannten Person 2“.

Dass der angebliche Attentäter selbst seine Beteiligung dementiert, ist deshalb bemerkenswert, weil er sich laut offizieller Auslegung zu der Tat bekannt haben soll. Beispielsweise durch das demonstrative Zeigen des islamistischen Grußes in eine Überwachungskamera am U-Bahnhof Zoo wenige Minuten nach dem Anschlag.

Und seine Geldbörse mit einer amtlichen Duldungsbescheinigung sowie seine beiden Handys habe er als Zeichen der Tatbekennung absichtlich im LKW zurückgelassen.

Amris erstes Dementi

Amris erstes Dementi seiner angeblichen Täterschaft findet sich in den Vernehmungsprotokollen des BKA von 2017. Danach erhielt ein gewisser Mohamed A., Bruder von Khaled A., mit dem sich Amri bis zum Anschlagstag ein Zimmer teilte, auf seinem Mobiltelefon ein Posting von Anis Amri, versehen mit einem Passbild und einem Text mit folgendem Wortlaut:

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