So baut Erdogan ein Rüstungsimperium auf


Wie keine türkische Regierung vor ihr geht die AKP auf die Wünsche der Streitkräfte ein. Ihre Interessen decken sich weitgehend.

Rainer Hermann | Frankfurter Allgemeine Zeitung

Der türkische Präsident Erdogan legt am 30. August 2020 in Begleitung von Angehörigen der Streitkräfte am Mausoleum Atatürks einen Kranz nieder. Bild: dpa

Mit dem massiven Ausbau ihrer Rüstungsindustrie unterstreicht die Türkei ihren Anspruch, eine regionale Ordnungsmacht zu sein. Als die AKP 2002 zum ersten Mal eine Wahl gewonnen hatte, war noch kein Hersteller aus der Türkei in der Liste der hundert größten Rüstungsunternehmen vertreten. Im Jahr 2006 wurde mit Aselsan das erste türkische Unternehmen in die Liste des amerikanischen Fachmagazins „Defense News“ aufgenommen, 2012 mit Tusas das zweite. Seit 2017 kam jedes Jahr ein weiteres hinzu. Inzwischen führt die Liste sieben türkische Unternehmen. Nur die Vereinigten Staaten, Großbritannien und China sind mit mehr Rüstungsfirmen vertreten.

Mit den Waffen aus ihrer Produktion macht die Türkei ihre Machtansprüche jenseits ihrer Grenzen geltend. So kreuzen im östlichen Mittelmeer moderne Korvetten, eine erste Fregatte der neuen Istif-Klasse lief vor wenigen Wochen erst vom Stapel. Türkische Kampfdrohnen haben die jüngsten Kriege im Kaukasus und in Libyen entschieden. Mit einem breiten Raketenarsenal bekämpft die türkische Armee die PKK im Nordirak und im Südosten der Türkei. Und für die dauerhafte Präsenz in weiten Teilen Syriens benötigt die Armee eine solide Ausrüstung.

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