Problemzone Ost


Der Osten Deutschlands hängt sich laut einer Studie medial ab. Das ist ein weiteres Alarmzeichen für die Medien, endlich mehr hinzuhören und zu den Menschen zu gehen.

Marlis Prinzing | DER TAGESSPIEGEL

Viele Ostdeutsche fühlen sich nicht zuletzt durch die Medien ausgegrenzt. Ressentiments gegen die Medien spielten auch bei der…Foto: Sebastian Kahnert/ZB/dpa

Dass deutschlandweit viele Menschen ihre Themen und Sorgen selten in den Medien wiederfinden und sich wünschen, dass Medien ein Grundverständnis für die Gesellschaft als Ganzes fördern, ist bekannt. Ein leider weitgehend vergessener, aber zentraler Aspekt rückt durch eine Studie von Lutz Mükke ins Blickfeld: Die Reichweiten überregionaler Blätter (nur 2,5 Prozent der Gesamtauflage der „Süddeutschen Zeitung“ wurden zum Beispiel letztes Jahr im ehemaligen DDR-Gebiet verkauft) sind ein Indiz für ein massives Problem, mit dem sich Journalismus und Politik dringend auseinandersetzen müssen.

„30 Jahre staatliche Einheit – 30 Jahre mediale Spaltung“ nennt Mükke passend sein Arbeitspapier und legt den Finger in bis heute offene Wunden: Die meisten Medienunternehmen seien, befördert durch unfaire Wettbewerbsbedingungen, rasch in Westbesitz gelangt; ostdeutsche Neugründungen der Wendezeit verschwanden meist wieder. Auf den Führungsebenen waren und seien vor allem Menschen mit Westbiografie tätig – in privaten Medienhäusern wie auch in öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten. Dies beförderte, dass in den Redaktionen keine gesamtdeutsche und erst recht keine ostdeutsche, sondern eine westdeutsche Perspektive vorherrschte.

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