Präsenzgottesdienste: Von Extrawürsten und „Nudelmessen“


Die Sonderrechte der Kirchen im Corona-Lockdown geben Anlass zum Spott. Weniger lustig ist die unterschiedliche Bewertung von Seelenheil und psychischer Gesundheit allgemein

Claudia Wangerin | TELEPOLIS

Anders als die meisten Beschlüsse der Bund-Länder-Runde vom frühen Dienstagmorgen war es ohnehin als Bitte formuliert, „religiöse Versammlungen in dieser Zeit nur virtuell durchzuführen“. Aber selbst diese Bitte an die Kirchen hat die Bundesregierung in der am Donnerstag verschickten Neufassung der Beschlüsse zum weiteren Vorgehen in der Corona-Krise zurückgezogen. So werden über die Osterfeiertage an vielen Orten in Deutschland Präsenzgottesdienste stattfinden, während Theater seit Monaten geschlossen sind – und das nicht aufgrund einer Bitte.

Durch das Grundgesetz ist zwar die Kunstfreiheit nicht weniger geschützt als die freie Religionsausübung, wie der Rechtswissenschaftler Thorsten Kingreen schon vor Monaten betonte. Aber der ursprüngliche Appell zum Verzicht auf Präsenzgottesdienste war nicht nur auf Widerstand in katholischen und evangelischen Kirchenkreisen gestoßen – auch Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) hatte die Bitte kritisiert.

Die kulturpolitische Sprecherin der Fraktion Die Linke im Bundestag, Simone Barrientos, merkte dazu „ganz populistisch“ gegenüber Telepolis an: „Gottesdienste sind ja gewissermaßen auch Theater – aber wenn sie schon stattfinden sollen, dann bitte mit Live-Musik, damit eine Berufsgruppe, der seit Monaten Einnahmen fehlen, endlich mal wieder Aufträge hat. Oder die Theater laden jeweils einen Pfarrer zu den Vorstellungen ein, der dann auch ein paar Worte predigen darf.“

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