„Denkpolizei an den Universitäten“


Der deutsche Hochschullehrer Klaus Kinzler steht in Frankreich seit Wochen unter Polizeischutz. Auslöser war eine Debatte über Rassismus, Antisemitismus und Islamophobie. Die Diskussion müsse wieder freier werden und „Denkverbote“ müssten fallen, sagte Kinzler im Dlf.

Klaus Kinzler im Gespräch mit Benedikt Schulz | Deutschlandfunk

Protest gegen Islamophobie in Paris (www.imago-images.de / Jonathan Rebboah / Panoramic)

Klaus Kinzler ist Dozent an der Hochschule Sciences Po Grenoble im Südosten von Frankreich. Seit einigen Wochen steht er im Mittelpunkt der medialen Aufmerksamkeit in Frankreich, weil er sich dagegen gewehrt hatte, dass eine Veranstaltung die Begriffe Rassismus, Antisemitismus und Islamophobie im Titel auf eine Stufe stellt. Das war im vergangenen Jahr, gar nicht lange nach der Tötung des französischen Lehrers Samuel Paty durch einen islamistisch motivierten Jugendlichen. Aber erst im neuen Jahr ist diese Meinungsverschiedenheit eskaliert. Studierende hatten Kinzlers Namen in großen Buchstaben an das Gebäude der Hochschule plakatiert, ihn der Islamophobie bezichtigt und ihn als „Faschist“ bezeichnet.

„Da ist eine Medien-Rakete losgegangen“

Benedikt Schulz: Herr Kinzler, wie ist es aus Ihrer Perspektive zu dieser Situation gekommen, in der Sie jetzt unter Polizeischutz stehen?

Klaus Kinzler: Ja, es gab zwei Stufen eigentlich. Die erste war, als ein großes Forschungslabor, zu dem meine Kollegin gehört, mich des Mobbings öffentlich angeklagt hat und eines sehr aggressiven Verhaltens. Also in einem öffentlichen Kommuniqué. Das ist aber dann wieder eingeschlafen. Und die Studenten einer sehr radikalen linken Gewerkschaft bei uns haben das dann Anfang Januar wiederaufgenommen, haben dann diesen Briefwechsel verfälscht und dann eben nicht mir Mobbing vorgeworfen, sondern Rechtsextremismus, Antisemitismus, Islamophobie.

Und dann ist das auch noch eine Stufe weitergegangen als dann Unbekannte – man weiß nicht, wer das war – unsere Namen, also eines Kollegen und von mir selbst – unsere Namen an die Hochschulmauern plakatiert haben. Und dann also nicht mehr nur Rechtsradikalismus an uns gefunden haben, sondern auch Faschismus und die ‚tötende‘ Islamophobie. Erst in diesem Moment ist es eigentlich national geworden. Da haben die französischen Medien natürlich sich an Samuel Paty erinnert und sofort reagiert. Und da ist so eine Medien-Rakete relativ schnell dann hochgegangen und hat fast drei Wochen lang am Stück große Debatten ausgelöst, die weit über unser Institut und über meine Person natürlich hinausgehen.

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