Mit Feministentanten trinkt man nicht


Im hessischen Landesverband des Rings Christlich-Demokratischer Studenten (RCDS) rumort es. Der Bundesverband der konservativen Studentenorganisation drängt darauf, sexistische Vorfälle und rechtspopulistische Ausfälle aufzuklären.

Marc Richter | jungle world

Der Ring Christlich-Demokratischer Studenten (RCDS) ist nach eigenen Angaben die größte und älteste besteh­ende Studentenorganisation Deutschlands. Er beruft sich auf »christdemokratische, konservative und liberale Wer­te« und steht CDU und CSU nahe. Aber zumindest im hessischen Landesverband vertreten Mitglieder Ansichten, die selbst manchen Konservativen offenbar zu weit gehen. Das zeigen Aussagen eines ehemaligen Mitglieds und Unterlagen, die der Jungle World vorliegen.

Ein ehemaliges Mitglied hat ausführlich mit der Jungle World über seine Zeit im hessischen RCDS gesprochen. Namentlich will die Frau nicht genannt werden. Sie habe sich mehrere Jahre in dem Verband engagiert, sei inzwischen jedoch wegen diverser Vorfälle ausgetreten, sagte sie. Irgendwann sei es genug gewesen mit Aussagen wie »Mit Frauen trinke ich nicht« oder »Frauen gehören nicht in Führungspositionen« und den Lästereien über Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), die einigen hessischen Mitgliedern des RCDS als »frustrierte, kommunis­tische Feministentante« gelte. Nach Sitzungen sei über die »Umvolkung« durch Zuwanderung fabuliert und das Frauenwahlrecht in Frage gestellt worden.

Doch es blieb der Frau zufolge nicht immer bei derart abfälligen Äußerungen. Wer sich im RCDS Hessen für die Belange von Frauen einsetzen wollte, habe mit direkten verbalen Angriffen rechnen müssen. »Frauen sind in Kreuzverhöre geraten, vor Sitzungen zusammengebrochen, wurden zum Weinen und zum Schweigen gebracht und haben sich vereinzelt anwaltliche Hilfe gesucht«, schilderte sie. Daher sei sie froh, den RCDS verlassen zu haben. »Mir geht es seither besser, auch wenn ich denke, dass ich für die CDU politisch verbrannt bin.«

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