Mehr Religion soll die Probleme mit dem islamischen Extremismus lösen – im Ernst jetzt?


In ihren Zielen sind sich Jihadisten und «moderate Islamisten» einig: Die Religion soll das politische und soziale Leben bestimmen. Wer glaubt, diese Leute mit einem grösseren Verständnis für religiöse Anliegen zähmen zu können, irrt.

Kacem El Ghazzali | Neue Zürcher Zeitung

In ihrem Buch «Der alltägliche Islamismus» führt uns die jemenitisch-schweizerische Politikwissenschafterin Elham Manea in ihre Kindheit zurück und spricht mit Nostalgie über den populären, friedlichen Islam, der damals in vielen muslimischen Ländern existierte. Sie schreibt über die farbenfrohe Frauenkleidung in Sanaa, die unverschleierten Frauen in Rabat und darüber, wie diese Farben ersetzt wurden, bedeckt durch den schwarzen Schleier.

Sie spricht mit Bedauern über den Verlust der Toleranz, der durch Brutalität und Krieg noch verstärkt wurde, und sie fragt: Was ist passiert? Die Antwort, kurz zusammengefasst: Diese Transformationen sind eine Folge des Projekts des politischen Islam, der Islamisierung der Gesellschaft. Die Propagandisten des politischen Islam waren sich der Notwendigkeit der Islamisierung der Gesellschaft als Hauptbedingung für die Errichtung eines muslimischen Staates durchaus bewusst.

Selbst «Tausendundeine Nacht» ist verwerflich

Um einen muslimischen Staat zu errichten, muss es zunächst eine fromme islamische Gesellschaft geben. Daher konzentrierten sich diese islamistischen Bewegungen in den letzten Jahrzehnten zunächst auf die Propagierung der Dawa (die Islamisierung der Gesellschaft): die Einführung des Schleiers für Frauen, die Ablehnung des nationalen Identitätsgefühls zugunsten der Zugehörigkeit zur islamischen Gemeinschaft, der Umma, und die Ablehnung volkstümlicher Folklore und einheimischer Kulturen als «unislamisch».

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