Wenn der Papst mit dem geschassten Kardinal die Messe feiert


Normalerweise besucht der Pontifex am Gründonnerstag Flüchtlinge oder Gefangene. Dieses Jahr traf er einen ehemaligen Kardinal. Abtpräses Jeremias Schröder sieht darin einen Fingerzeig auf die Lebensweise vieler Vatikankleriker.

 Jeremias Schröder | katholisch.de

Wer am Gründonnerstag die Abendmahlsfeier aus dem Petersdom im Internet mitfeiern wollte, musste sich damit abfinden, dass statt Papst Franziskus der ehrenwerte, aber nicht gerade von Charisma sprühende Kardinal Re dem Gottesdienst vorstand. Der Papst, so wurde einige Stunden später bekannt, hatte stattdessen Kardinal Becciu besucht und zusammen mit ihm in dessen Privatkapelle das letzte Abendmahl gefeiert. Das war der gleiche Becciu, dem vor einigen Monaten sehr plötzlich seine Kardinalsprivilegien genommen worden waren, wegen nicht näher bezeichneter finanzieller Unregelmäßigkeiten.

In früheren Jahren hat der Papst an diesem Tag Flüchtlinge oder Gefangene besucht. Dieses Jahr hat er durch seinen Besuch dem Blick auf die eigenartigen Lebensbedingungen der vielen Hundert Kleriker gelenkt, die am Vatikan tätig sind. Die oberen Ränge haben in ihren Dienstwohnungen Privatkapellen, was aber eigentlich auch schon recht trostlos ist.

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