Ralph Ghadbans Buch über den Islam: „Die Religionskritik wird immer heftiger“


Der Islamwissenschaftler Ralph Ghadban beobachtet, dass Islamkritik in vielen arabischen Ländern immer lauter wird. Vor allem unter jungen Muslimen. Sie knüpfen an die „Goldenen Zeiten“ des Islams an.

Thomas Klatt | Deutschlandfunk

Ralph Ghadban hat ein Buch über – im besten Sinne – rückwärtsgewandte Islamkritik geschrieben (imago / Müller-Stauffenberg)

Ein islamkritisches Video auf dem Youtube-Kanal Alhurra vom Sommer 2018. Arabische Gelehrte betrauern den Niedergang ihrer einst blühenden Wissenschaften: Der Begründer der islamischen Philosophie al-Kindī, gestorben 873, wurde vom Kalifen al-Mutawakkil vom Hof vertrieben; seine Bücher wurden verbrannt; der berühmte Mediziner Ibn Sīnā, auch bekannt als Avicenna, wurde in der islamischen Welt als Imam der Atheisten verachtet; der Begründer der Optik Haitham wurde des Atheismus bezichtigt; der Begründer der Chemie Dschābir ibn Hayyān, gestorben 815, wurde als Atheist verfolgt; die Chemie in einer Fatwa wurde generell verboten. Aus all dem, so die Kritiker, resultiert bis heute eine Rückständigkeit der muslimischen Welt gegenüber dem Westen. So etwas wagte bis vor Kurzem kaum jemand öffentlich zu sagen, heute wird es in den sozialen Netzwerken von Hunderttausenden Muslimen verfolgt.

„Seit dem arabischen Frühling habe ich festgestellt, dass die Religionskritik immer heftiger wurde, auch öffentlich, und das ist neu. Früher landeten sie alle im Gefängnis“, beobachtet der Berliner Islamwissenschaftler Ralph Ghadban. Für ihn sind die kritischen Religionsgelehrten, Blogger und Youtuber von heute „Allahs mutige Kritiker“. Sie entdecken die Zeit der islamischen Aufklärung von einst, an die sie heute wieder anknüpfen möchten.

weiterlesen