Hunderte Sekten schießen in Frankreich aus dem Boden – mit dramatischen Folgen

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In Frankreich haben Sekten, Gesundbeter und Wunderheiler seit der Corona-Krise einen starken Zulauf. Nun will die Regierung eingreifen.

Stefan Brändle | Frankfurter Rundschau

Der Trend zu neuen Sekten in Frankreich kann an sich nicht überraschen. Die Corona-Pandemie steigert die allgemeine Verunsicherung und schürt Ängste. ©Pedro Rances Mattey/dpa

Ulysse Ha Duong wollte eigentlich nur lernen, wie man in der Wildnis überlebt. Doch dann verwechselte jemand im Survival Camp zwei Pflanzen und der 25-jährige Bretone starb an einer Vergiftung. Acht weitere Menschen aus dem Camp im Sommer 2020 konnten im Krankenhaus gerettet werden.

Der tragische Todesfall in dem Camp in der Nähe von Lorient wirft ein Schlaglicht auf den gefährlichen Boom einer ganzen Branche. Wie die französische Ministerin für Bürgerfragen, Marlène Schiappa, diese Woche erklärte, sind in Frankreich im Verlauf der Covidkrise rund 500 Sekten und ähnliche Gruppen aus dem Boden geschossen. „Darunter sind neue Gurus, die sich der Pandemie bedienen, um angebliche Heilmethoden anzubieten, die in Wahrheit in psychologischer Unterwerfung oder Geld-Abzocke bestehen“, sagte Schiappa. Als Folge kündigte sie eine „Verstärkung“ der nationalen Anti-Sekten-Mission (Miviludes) an. Konkreter dürfte sie in den nächsten Tagen werden.

Der Trend zu neuen Sekten kann an sich nicht überraschen. Die Pandemie steigert die allgemeine Verunsicherung und schürt Ängste. „Wenn die Leute in Situationen geraten, die sie nicht mehr meistern, verfallen sie in extreme oder gar wahnwitzige Glaubenshaltungen“, erklärt Didier Pachoud vom Opferhilfe-Verein Gemppi. Er hält die Zahl von 500 neuen Sekten noch für untertrieben, da es eine hohe Dunkelziffer gebe. Einigkeit herrscht, dass die Sektenopfer zahlreich sind. Schiappa schätzt sie in Frankreich auf 140 000. Darunter sind besonders viele Frauen und junge Menschen.

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