Islamismus an Schulen wird auch in der Schweiz tabuisiert


Bei Problemen mit Islamismus an Schulen wird mancherorts weggeschaut. Wer jedoch eine offene Debatte verhindert, verweigert den Lehrern die Solidarität. Auf Dauer könnte dies gravierende Folgen haben.

Pauline Voss | Neue Zürcher Zeitung

Im Oktober 2020 bekunden Demonstranten in Paris ihre Solidarität mit dem Lehrer Samuel Paty, der von einem Islamisten getötet wurde. Yoan Valat / EPA

Die Wirkung eines islamistischen Anschlags hängt nicht bloss von der Anzahl der Opfer ab. Auch die Umstände sind entscheidend. Obwohl im Pariser Vorort Conflans-Sainte-Honorine «nur» eine Person ermordet wurde, wirkt die Enthauptung des französischen Lehrers Samuel Paty auch ein halbes Jahr nach der Tat nach: Denn es handelte sich um eine Bestrafung.

Paty hatte seinen Schülern Mohammed-Karikaturen aus der französischen Satirezeitschrift «Charlie Hebdo» gezeigt. Auch deren Karikaturisten und Autoren waren 2015 von Islamisten bestraft worden. Inzwischen müssen Karikaturisten in ganz Europa abwägen, was sie noch zeichnen dürfen, Journalisten, was sie schreiben, Lehrer, was sie im Unterricht sagen dürfen.

Besonders gefährlich wird diese Selbstzensur, wenn sie unbewusst stattfindet. Denn dann wird es immer schwieriger, sich über Fehlentwicklungen im Zusammenhang mit Islamismus zu verständigen.

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