„Deutschland war für ihn Feindesland“


In Dresden beginnt der Prozess um die tödliche Messerattacke auf zwei Touristen. Ein Gutachter beschreibt den Angeklagten als jungen Mann, getrieben von religiösem Hass.

Ulrike Nimz | Süddeutsche Zeitung

Abdulla al-H. kam als minderjähriger Flüchtling aus Syrien nach Deutschland, radikalisierte sich, saß schon einmal im Gefängnis. Fünf Tage nach seiner Haftentlassung griff er das schwule Paar an. (Foto: SEBASTIAN KAHNERT/AFP)

Als Abdullah al-H. auf der Anklagebank Platz nimmt, Schnauzbart, grüner Parka, sieht er aus wie ein Student, der einer Vorlesung folgt. Nicht wie ein Gotteskrieger, der sich wegen Mordes verantworten muss. Abdullah al-H., 20 Jahre alt, wird kein Wort sagen an diesem Montag. Kein Wort über das, was am Abend des 4. Oktober in der Dresdner Innenstadt geschah. Wie er zwei Männer aus Nordrhein-Westfalen hinterrücks angriff, jedem ein Küchenmesser in den Rücken rammte, eines mit solcher Wucht, dass die Klinge abbrach. Einer der Männer wurde schwer an Niere und Leber verletzt, sein Lebenspartner starb später im Krankenhaus. Das Ende eines gemeinsamen Urlaubs in Sachsen.

Zwei Wochen nach der Tat nahmen Polizisten den flüchtigen Abdullah al-H. fest. Er ist kein Unbekannter. Die sächsischen Sicherheitsbehörden führen ihn seit 2017 als islamistischen Gefährder. Die Bundesanwaltschaft wirft ihm Mord, versuchten Mord und schwere Körperverletzung vor, heimtückisch und aus niederen Beweggründen. Er habe die Opfer als schwules Paar wahrgenommen, sie „als Repräsentanten einer von ihm als ‚ungläubig‘ abgelehnten freiheitlichen Gesellschaft auslöschen“ wollen.

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