Marokko führt Drohnenkrieg in der besetzten Westsahara


Der nach 40 Jahren abgebrochene Waffenstillstand könnte sich der Krieg zu einem regionalen Konflikt ausweiten, da Marokko nun Algerien als „Konfliktpartei“ bezeichnet

Ralf Streck | TELEPOLIS

Polisario-Truppen. Archivbild (von 2005): Saharauiak/CC BY-SA 2.0

Weitgehend unbemerkt und praktisch ohne Medienberichterstattung spitzt sich der Kolonialkonflikt zwischen dem autokratischen Königreich Marokko und der weitgehend besetzten Westsahara weiter zu. Wie die sahrauische Befreiungsfront Polisario bestätigt hat, wurde am vergangenen Donnerstag der Chef der sahrauischen Nationalgarde Addah Al-Bendir ermordet. Man geht von einem marrokanischen Drohnenangriff aus.

Es soll sich um eine israelische Heron-Drohne (Sky Strikers) gehandelt haben, die auf den Flughäfen in den von Marokko besetzten Gebieten von Aktivisten angeblich immer wieder gesichtet wurde. Hingewiesen wird in Berichten aus der Region auf die guten Beziehungen zwischen Marokko und Israel.

Beide Länder hatten im vergangenen Dezember wieder offiziell diplomatische Beziehungen aufgenommen. Das war die Gegenleistung dafür, dass der damalige US-Präsident Donald Trump einseitig gegen die Vereinten Nationen (UN) die Souveränität Marokkos über die besetzte Westsahara anerkannt hatte.

Die Polisario erklärte, dass es sich nicht um den ersten Drohneneinsatz handelte, wie bisweilen berichtet worden war. Marokko habe schon kurz nach dem Ende des 40-jährigen Waffenstillstands im vergangenen November damit begonnen, Drohnen gegen die sozialistische Befreiungsfront einzusetzen, die für die Entkolonisierung der Westsahara kämpft.

Der Minister für Sicherheit der „Demokratischen Arabischen Republik Sahara“ (DARS), die 1976 von der Frente Polisario ausgerufen wurde, teilte mit, dass die „marokkanischen Invasionstruppen“ verschiedene Typen einsetzen, „amerikanische, israelische und andere“. Sidi Ougal sprach von einer „Eskalation“ in einem Krieg, den Marokko zu verschweigen versuche.

Die Drohnen würden sowohl zur Aufklärung als auch für Angriffe eingesetzt, fügte er an. Man werde auf die Ermordung von Al-Bendir entsprechend reagieren. Die Kämpfe hätten sich derweil verschärft.

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