Was uns die Covid-19-Daten sagen – und was nicht

coronavirus sars-cov-2

Warum die Datengrundlage zur Beurteilung des Pandemiegeschehens unzureichend ist und wie das Problem gelöst werden kann

Daniel Haake | TELEPOLIS

Seit mehr als einem Jahr begleitet uns Covid-19. Um unsere Gesundheit zu schützen werden politische Maßnahmen durchgesetzt. Diese Maßnahmen werden dabei hauptsächlich auf die gemeldeten Fallzahlen gestützt, unter anderem durch Berechnung einer Sieben-Tage-Inzidenz. Doch eignen sich die gemeldeten Fallzahlen zur korrekten Lagebeurteilung?

Dieser Artikel beleuchtet, welche Probleme die offiziell gemeldeten Fallzahlen mit sich bringen und wie das Problem gelöst werden kann. Die Grafiken stammen aus dem interaktiven Covid-19-Monitor Germany, der Zahlen des Robert-Koch-Instituts und des Divi-Intensivregisters darstellt.

Täglich gemeldete Fallzahlen

Jeden Tag werden die aktuellen Fall- und Todeszahlen zu Covid-19 vom Robert-Koch-Institut (RKI) veröffentlicht. Allerdings melden einige Gesundheitsämter am Wochenende keine Zahlen an das RKI. Außerdem werden am Wochenende weniger Tests durchgeführt, die dann unter der Woche nachgeholt werden. Dies führt zu starken Schwankungen in den gemeldeten Fallzahlen. Die Folge ist, dass Vergleiche zwischen den Tagen nicht aussagekräftig und Trends kaum zu erkennen sind.

Gelöst werden kann dieses Problem, indem man den Kurvenverlauf durch einen gleitenden Sieben-Tage-Mittelwert glättet (vgl. Abb. 1). Dadurch wird bei jedem Tag jeder Wochentag mit berücksichtigt und so die täglichen Schwankungen eliminiert.

Der Fokus darf daher nicht auf den täglich neu gemeldeten Fallzahlen liegen. Besser ist es, den gleitenden Sieben-Tage-Mittelwert und die Veränderung des gleitenden Sieben-Tage-Mittelwerts zum Vortag zu berichten. So ist – im Gegensatz zum Vergleich der gemeldeten Fallzahl zum Vortag – ein Trend erkennbar.

Abb. 1: zeitlicher Verlauf der täglich neu gemeldeten Fallzahlen

Wie anhand des Mittelwerts erkennbar ist, gab es Ende Dezember einen starken Abfall in den Fallzahlen, gefolgt von einem kurzfristigen und starken Anstieg, um dann wieder weiter zu fallen. Gab es eine solche Schwankung tatsächlich?

Vielmehr war es so, dass in diese Zeit die Weihnachtsfeiertage und Neujahr fielen. Das RKI vermeldet täglich die Fallzahlen, die dem RKI wiederum durch die Gesundheitsämter gemeldet wurden. Es scheint so zu sein, dass einige Gesundheitsämter über die Feiertage keine Fallzahlen gemeldet und dies dann Anfang Januar nachgeholt haben. Kann man das in den Daten erkennen?

Erkrankungsbeginn

Hierzu kann man sich den sogenannten Nowcast des RKI anschauen (vgl. Abb. 2). Hierbei handelt es sich um eine Berechnung des RKI, in der versucht wird, die Fälle pro Tag nach Erkrankungsbeginn zu berechnen. Es wird der Erkrankungsbeginn herangezogen, wenn dieser bekannt ist. Ist er nicht bekannt, wird er anhand des Meldedatums approximiert. Das Meldedatum ist das Datum, an dem der Fall den jeweiligen Gesundheitsämtern bekannt geworden ist.

weiterlesen