Polizei im Ausrastezustand


Die Hamburger Polizei nimmt einen schwarzen Jugendlichen fest, nachdem dieser eine Rede gegen rassistische Polizeigewalt gehalten hat.

Katharina Schipkowski | taz

Kann vieles heißen, zum Beispiel „All Colours are beautiful“ oder „Acht Cookie, acht Banane“ Foto: Christian Ohde/imago

„Ich muss in Angst leben, weil ich schwarz bin“, sagt Azad F. ins Mikrofon. „Es ist sehr traurig, aber der Grund, warum ich mich auf der Straße ständig umgucke und paranoid bin, seid ihr.“ Mit diesen Worten wendet sich der Redner von seinem Publikum weg und zeigt auf zwei Polizist*innen, die die Kundgebung vom Rand aus beobachten. F. ist 15 Jahre alt und spricht zum ersten Mal vor so vielen Zuschauer*innen. Rund 80 Personen hören ihm zu, sie sitzen auf der Balduintreppe an der Hamburger Hafenstraße bei einer Kundgebung gegen rassistische Polizeigewalt.

F. trägt eine lila Cap und einen schwarzen Pulli, auf dessen Vorderseite steht „I can’t breathe“, auf die Rückseite gesprüht: ACAB, was als Abkürzung für „All Cops Are Bastards“ bekannt ist, so viel wie „Alle Polizisten sind Schweine“. Man merkt, dass er wütend ist – auf die Polizei, von der er sich per se verdächtigt fühlt, und auf die Gesellschaft, die diese Polizei hervorbringt. Er ahnt in diesem Moment noch nicht, wie nah er an der nächsten Konfrontation mit der Polizei ist.

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