Der Qanon-Mythos greift judenfeindliche Motive der christlichen US-Rechten auf


Anhänger der Verschwörungstheorie Qanon kämpfen gegen Covid-19-Impfungen und greifen antisemitische Verschwörungstheorien der extremen christlichen Rechten auf.

Elke Wittich | jungle world

Sie beten für Trump und stimmen häufig antisemitischen Stereotypen zu: christliche Nationalisten, hier beim Protest gegen die Anerkennung von Joe Bidens Wahlsieg in Washington, D.C., 6. Januar Bild: REUTERS/Mike Theiler

Schon vor der Ausstrahlung der HBO-Dokumentarserie »Q – Into the Storm« war die Aufregung groß. Ronald Watkins, Administrator des Imageboards 8kun, habe sich in einer Videosequenz verraten: Er sei »Q«, der anonyme Urheber der kryptischen, im Internet veröffentlichten Botschaften, auf die sich seit vier Jahren die Qanon-Verschwörungstheorie stützt. Die Anhänger Qanons glauben an eine weltweite Verschwörung, die in Politik, Unterhaltungsbranche und Wirtschaft die Fäden zieht, Satan verehrt und Kinder missbraucht. Donald Trump, so Qs Botschaft, habe die Macht dieser kleinen »Elite« brechen wollen.

Als ganz so eindeutig, wie von einigen US-Medien suggeriert worden war, stellte sich die wenige Sekunden lange Filmsequenz jedoch nicht heraus. Aber ob Watson sich nun aus Versehen geoutet hat oder nur eine falsche Spur legen wollte, ist letztlich unerheblich. Q ist bereits seit Anfang Dezember verstummt, aber der von ihm begründete Verschwörungskult braucht keine Stichwortgeber mehr.

Qs Botschaften handeln von einem kommenden Endkampf: dem Sumpf, der trockengelegt werden muss, dem großen Erwachen, dem bevorstehenden Sturm.

Auch das große Thema, das die Qanon-Anhänger bewegt, hat sich gewandelt, seit Trump entgegen ihren Erwartungen als Präsident der Vereinigten Staaten abtreten musste. »Die Rechtsextremisten sind von ›Stop the Steal‹ zu ›Stop the Vaccine‹ weitergezogen«, titelte die New York Times am 26. März. Mit dem Slogan »Stop the Steal« hatten Unterstützer des damaligen Präsidenten Trump gegen die Anerkennung Joe Bidens als Wahlsieger protestiert.

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