Kognitive Epidemiologie: Gefährdet mangelnde Intelligenz die Gesundheit?


Es ist ein bekanntes Phänomen: Intelligenz, Gesundheit und Risiko eines frühen Todes hängen zusammen. Was aber sind die Gründe dafür? Eine relativ junge Disziplin sucht Antworten.

Sibylle Anderl | Frankfurter Allgemeine Zeitung

Diese Frau demonstrierte im vergangenen November in Sachsen dafür, ihre Gesundheit aufs Spiel setzen zu dürfen. Bild: dpa

In Zeiten besonderer Frustration über die leichtsinnigen Mitmenschen mag einem der Gedanke durchaus schon einmal gekommen sein, auch wenn man sich sogleich wieder zusammengerissen hat, um am eigenen positiven Menschenbild zu arbeiten. Aber offenbar ist es nun einmal eine statistische Tatsache: Intelligentere Menschen werden seltener krank und sterben später. Diesem Phänomen ist seit den frühen 2000ern sogar eine ganze Disziplin gewidmet: die kognitive Epidemiologie.

Deren aktueller Forschungsstand wurde nun im Journal „Nature Human Behaviour“ zusammengefasst. Empirisch stützt die Disziplin sich auf umfangreiche Kohortenstudien, bei denen Ergebnisse von Intelligenztests im Kindesalter mit Gesundheit und Sterberisiko im Erwachsenenalter korreliert wurden. Dabei zeigte sich übereinstimmend, dass Intelligenz mit einem längeren Leben assoziiert ist, und zwar sowohl in Hinsicht auf Tod durch Herz-Kreislauf-Beschwerden, Atemwegserkrankungen und Diabetes als auch, wenn Unfälle und Morde betrachtet werden. Nur Krebs stellt interessanterweise eine Ausnahme dar, sofern er nicht durch Rauchen hervorgerufen wurde.

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