Eine Stadt, zwei Corona-Welten


Einige Meter können in Barta’a entscheidend sein: Wer im israelischen Teil der Ortschaft lebt, ist besser gegen das Coronavirus geschützt als die Bewohner des palästinensischen Teils.

Benjamin Hammer | tagesschau

Blick vom Dach des Rathauses von Ost-Barta’a | Benjamin Hammer

Es ist Zeit für das Mittagsgebet in Barta’a. Die Moschee steht im Westteil der Stadt und damit in Israel. Etwa 100 Meter östlich davon steht mitten auf der Straße ein ausgeblichenes Schild. Gäbe es dieses Schild nicht, würde man die Grenze zwischen Israel und dem Westjordanland nicht erkennen.

Der Kiosk von Bhassem Kabaha liegt direkt hinter der Grenze, in Ost-Barta’a und damit im Westjordanland. In der Kleinstadt mit etwa 10.000 Einwohnern können ein paar Meter entscheidend sein. Kabaha hat einen grünen, palästinensischen Ausweis. In Corona-Zeiten wird das zum Problem. Nein, er habe noch keine Impfung gegen das Virus erhalten, sagt der Mann. „Vor einer Woche habe ich es auf der israelischen Seite versucht. Da haben sie mir gesagt, dass sie den Menschen dort schon die zweite Impfdosis verabreichen und für mich nichts mehr übrig ist.“

Die Menschen auf der westlichen Seite des Städchens sind arabische – manche sagen auch palästinensische – Israelis. Sie haben blaue, israelische Ausweise und von ihnen sind bereits 95 Prozent der über 16-Jährigen geimpft.

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