George-Floyd-Prozess: Schuldig in allen Anklagepunkten


Fast ein Jahr nach der Tötung des Afroamerikaners George Floyd kommt der Prozess gegen Derek Chauvin zum Abschluss. Die Hoffnung, die die Gesellschaft, bis hoch zu Präsident Biden, in das Urteil legte, ist groß. Nun ist es da – aber kann es die Wunden heilen?

Hubert Wetzel | Süddeutsche Zeitung

Derek Chauvin ist des Mordes an George Floyd schuldig gesprochen worden – und Amerika atmet auf. Mehr als zehn Stunden haben die Geschworenen in Minneapolis, Minnesota, am Montag und Dienstag beraten, dann verkündeten sie ihr Urteil. Drei Punkte umfasste die Anklage gegen Chauvin, in allen drei fällte die Jury ein Schuldurteil: Mord zweiten Grades, Mord dritten Grades, Totschlag zweiten Grades.

Jedes andere Urteil, ein abgeschwächter Schuldspruch nur wegen Totschlags oder gar ein Freispruch, hätte das Land an den Rand des Abgrunds gebracht. Die USA haben im vergangenen Sommer erlebt, wie viel Wut und Bitterkeit im schwarzen Teil der Gesellschaft brodelt. Überall brach sie sich Bahn, nachdem Ende Mai das Video bekannt geworden war, das zeigte, wie der damalige Polizist Chauvin in Minneapolis den Afroamerikaner Floyd bei der Festnahme seelenruhig umbrachte. Wäre dieses Verbrechen nicht gesühnt worden – Amerika hätte ein gewalttätiges, möglicherweise blutiges Jahr bevorgestanden.

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