Bootsunglück vor Libyen: „Ein Meer von Leichen“


Erfolglos haben Flüchtlingshelfer versucht, zahlreiche Menschen nach einem Bootsunglück zu retten. Bereits am Mittwoch hatten NGOs die zuständigen Behörden in Libyen informiert. Doch die reagierten offenbar nicht.

Jörg Seisselberg | tagesschau

Den Helfern auf der „Ocean Viking“ habe sich ein erschütterndes Bild geboten, als sie an die Unglücksstelle kamen, berichtet Alessandro Porro dem ARD-Studio Rom: „Wir haben ein Schlauchboot gesehen, das kaputt und völlig ohne Luft war – auch das Innenteil aus Holz war von den Wellen zerstört. Dann sind wir geradezu in ein Meer von Leichen gekommen. Wir haben mindestens 13 Körper und Rettungswesten auf dem Wasser treiben sehen.“

Lebend hätten sie niemanden bergen können, sagt Porro, der Präsident der Nichtregierungsorganisation (NGO) SOS Méditerranné in Italien ist und derzeit als Logistiker auf der „Ocean Viking“ fährt.

Mehrere Stunden im Kontakt

Das Rettungsschiff war gestern Abend an der Unglücksstelle mehrere Seemeilen vor der Küste Libyens eingetroffen. Alarmiert worden war die Besatzung durch eine Mitteilung der nichtstaatlichen Organisation „Alarmphone“. Freiwillige von „Alarmphone“ berichten, sie hätten über mehrere Stunden mit den Menschen an Bord telefonisch in Kontakt gestanden. Demnach seien 130 Menschen auf dem Schlauchboot gewesen, unter ihnen auch eine schwangere Frau.

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