Wenn Bäume sich auf Wanderschaft machen: Mangroven expandieren nach Norden


Die Bäume mit den spinnenartigen Wurzeln speichern effizient Kohlendioxid und schützen die Küsten. Trotzdem hat ihre Expansion nicht nur Gutes.

Guido Meyer | Neue Zürcher Zeitung

Mangroven vertragen Salz – im Wasser wie im Boden. Imago

John Kominoski steht das Wasser zwar nicht bis zum Hals, aber bis zu den Knien. Damit tut er es den Bäumen gleich: «Mangroven stehen mit ihren Füssen – oder besser: mit ihren Wurzeln – im Boden. Aber eben unter Wasser», schmunzelt der Biologe vom Institut für Wasser und Umwelt der Florida International University. Ihn schützen allerdings schwarze Gummistiefel vor dem Wasser der Everglades, des grössten Nationalparks in den östlichen Vereinigten Staaten. In dieser Gegend im Süden des US-Gliedstaates Florida boomt das tierische und das pflanzliche Leben. Das gilt auch für Mangroven.

Wo andere Bäume aufgrund des Salzgehalts des Wassers eingehen, gedeihen in den Sümpfen Floridas mit der Schwarzen, der Weissen und der Roten Mangrove gleich drei Arten dieser Laubbäume. «Das Salz des Atlantiks macht ihnen nichts aus», erklärt Kominoski. «Mangroven wachsen entlang der Küste.» Auch das Salz im Meeresboden, das für einen nur geringen Sauerstoffgehalt des Bodens sorgt, kann den Bäumen nichts anhaben: Ihre Wurzeln holen sich den Sauerstoff stattdessen aus der Atmosphäre. Deswegen ragen sie immer ein Stück über den Meeresspiegel hinaus, in die Luft. Das verleiht Mangroven ihr typisches Aussehen: Bäume auf Stelzen.

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