Kopftuch in Deutschland: Deplatzierte Debatte über Verbote


Muslim:innen sind einem Anpassungs- und Ausgrenzungsdruck ausgesetzt wie keine andere Gruppe Zugewanderter. Ein Blick auf die hochdiverse Realität dieser Bevölkerungsgruppe lohnt sich.

Ursula Rüssmann | Frankfurter Rundschau

Allein Studien wie die jetzt vorgelegte über den Alltag und die Haltungen von Muslim:innen hierzulande zeigen, warum die oft umstrittene Deutsche Islam-Konferenz dringend notwendig ist. Denn die DIK ist es, die verbreiteten Vorurteilen gegenüber Muslim:innen immer wieder mal einen nüchternen, zurückgelehnten Blick auf die hochdiverse Realität dieser Bevölkerungsgruppe entgegensetzt. Umso bedauerlicher ist allerdings, dass diese differenzierte Sicht so wenig Eingang in politische Debatten und Reformdiskurse findet. Vielmehr sehen sich Muslime und Musliminnen einem Anpassungs- und Ausgrenzungsdruck ausgesetzt wie keine andere Gruppe Zugewanderter.

Greifen wir die religiöse Praxis und das Reizthema Kopftuch heraus. Die Befragung zeigt: Sehr viele Muslim:innen halten sich zum Beispiel an religiöse Ernährungsvorschriften, nur wenige gehen aber regelmäßig in die Moschee. Jede:r nach seiner und ihrer Façon, könnte man sagen. Nur eine Minderheit der Frauen wiederum trägt das Kopftuch, und vor allem schrumpft der Anteil der Trägerinnen, je jünger die Frauen sind. Verhüllung aus religiösen Gründen befindet sich offenbar auf dem Rückzug.

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