Attentat im Vatikan: «Ein plötzlicher Anfall von Wahnsinn»


Anfang Mai 1998 kommt es in der Kaserne der Schweizergarde zu einem Blutbad – bis heute ranken sich Verschwörungstheorien um das Drama. Ein Blick zurück.

Marc Tribelhorn | Neue Zürcher Zeitung

Mitglieder der Schweizergarde tragen den Sarg von Alois Estermann an der Abdankungsfeier im luzernischen Beromünster vom 16. Mai 1998. Team / Keystone

Gleich hinter der Porta Sant’Anna, dem Haupteingang zum Vatikan, spielt sich am Abend des 4. Mai 1998 eine Tragödie ab. Im Quartier der Schweizergarde, direkt bei der Papstresidenz, hört eine Nonne um 21 Uhr seltsame Geräusche. Sie verlässt ihre Wohnung im zweiten Stock und schaut bei den Nachbarn nach. Deren Tür steht offen, alles ist ruhig. Dann sieht sie das Blut – und schlägt Alarm.

Drei Leichen liegen in der Dienstwohnung von Alois Estermann, des erst vor wenigen Stunden formell ernannten neuen Kommandanten der Schweizergarde. Der 43-Jährige ist niedergestreckt worden mit Schüssen in die Schulter und ins Gesicht, seine Ehefrau Gladys, eine Venezolanerin, mit einer Kugel in den Oberkörper, sein Untergebener, ein 23-jähriger Walliser Gardist namens Cédric Tornay, mit einem Kopfschuss.

weiterlesen