Schufa außer Kontrolle


Praktiken des Unternehmens weiterhin intransparent. Vorstoß zu Kontoeinsicht nach Kritik gestoppt. Sorge über möglichen Verkauf an US-Unternehmen

Helmut Lorscheid | TELEPOLIS

Grafik: TP

Daten des Wirtschaftsauskunftsunternehmens Schufa sind sehr gefragt. Es gibt kaum einen Geschäftsbereich, in dem sie keine Rolle spielen. Die Schufa besitzt einen wahren Schatz an Informationen über einen Großteil der in Deutschland lebenden Menschen. Neben der Schufa gibt es weitere Wirtschaftsauskunfteien, etwa Crif Bürgel oder Creditreform.

Schufa, das steht für „Schutzgemeinschaft für allgemeine Kreditsicherung“ – und das war auch ursprünglich ihre Aufgabe: die Information der Kreditgeber, also der Banken, über die finanziellen Verhältnisse ihrer Kunden.

Doch inzwischen durchdringen die Schufa und wenige andere entsprechende Unternehmen fast alle Lebensbereiche. Immer wieder geben ihre Geschäftspraktiken Anlass zur kritischen Befassung auch im Bundestag. Dort konstatierte die Abgeordnete der Linken, Zaklin Nastic, es gebe inzwischen keinen Handyvertrag, keinen Energievertrag und keinen Mietvertrag, ohne dass die Schufa einen durchleuchte.

„Wenn dann aber Superreiche Milliardenkredite erhalten, um hinterher Arbeitsplätze ins Ausland zu verlegen, muss man sich über Zorn bei Niedrigverdienern und Hartz-IV-Empfängern nicht wundern“, so Nastic. Die Schufa von heute habe mit ihrer ursprünglichen Aufgabe, mit der Kreditsicherung, so gut wie gar nichts zu tun. Sie sammele Daten von 68 Millionen Menschen in Deutschland „und bewertet die Menschen dann im Geheimen“, so Nastic weiter: „Damit muss Schluss sein.“

Die nicht selten fehlerhaften Auskünfte von Finanz- und Wirtschaftsauskunfteien bedrohen jährlich tausende Menschen in ihrer Existenz. Ihre mitunter fehlerhaften Auskünfte sind oft entscheidend dafür, ob es den Mietvertrag für die erhoffte neue Wohnung oder den Kreditvertrag für Existenzgründungen gibt – oder eben nicht.

Andererseits lassen sich immer mehr Menschen gerne von Dienstleistern auch in ihrer eigenen Haushaltsführung beraten, etwa, um Sparpotentiale aufzuspüren. Dafür ist der Zugriff beispielsweise auf die Kontoauszüge notwendig. Für die einen ein toller neuer Service, für andere der blanke Überwachungshorror.

Dabei „vertritt die Schufa die Interessen des Banken- und Finanzsektors und eben nicht die der kleinen Verbraucherinnen und Verbraucher,“ so Nastic im November im Bundestag.

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