Was die älteste bekannte Grabstätte eines Homo sapiens in Afrika über die Menschheitsgeschichte verrät


Ein Archäologenteam entdeckte in einer Höhle in Kenya das Grab eines Kindes. Die Überreste geben 78 000 Jahre nach dem Tod preis, wie frühe Menschen tote Angehörige behandelt haben.

Stephanie Lahrtz | Neue Zürcher Zeitung

Es sieht aus wie ein archäologisches Suchbild: Links sind die gebogene Wirbelsäule und ein Teil der Rippen des vor 78 000 Jahren bestatteten Kindes zu erkennen. Der rechte Block enthält einen Teil des Schädels samt einem Unterkieferfragment und einigen Zähnen. Martinón-Torres, et al., 2021

«Ein ausgedehntes Höhlensystem mitten im ostafrikanischen Küstenwald – schon als wir 2008 das erste Mal Panga ya Saidi in Kenya besucht haben, spürten wir, dass dies ein ganz besonderer Ort ist», erzählt Nicole Boivin, Direktorin des Max-Planck-Instituts für Wissenschaft der Menschheitsgeschichte (MPI) in Jena. «Wir kletterten durch den Urwald zum Plateau und waren überwältigt von der üppigen Vegetation, aber auch der Atmosphäre.»

Doch erst nach mehreren Grabungsphasen ab 2010 haben die Archäologen herausgefunden, wie besonders der Ort tatsächlich ist. Denn hier fanden sie im Laufe der Jahre nicht nur Zeugnisse einer weitgehend durchgehenden Nutzung des Höhlensystems seit knapp 80 000 Jahren. Auch das bisher älteste bekannte Grab, das von Homo sapiens in Afrika angelegt worden war, haben sie nun hier entdeckt. Noch heutzutage werde das Areal als Ort für spirituelle Handlungen genutzt, sagt Emmanuel Ndiema von National Museums of Kenya.

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