Absturz von „Langer Marsch 5B“: „Die Rakete zerbricht in vielleicht 50 kleine Teile“


Die Zentralstufe der chinesischen Rakete „Langer Marsch 5B“ wird wohl dieses Wochenende in die Erdatmosphäre eintreten. Die Besonderheiten des unkontrollierten Absturzes erklärt Ex-Astronaut Ulrich Walter im Interview mit tagesschau.de.

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Chinesische Trägerrakete vom Typ „Langer Marsch“ | dpa

tagesschau.de: Herr Walter, das Wichtigste zuerst: Müssen wir uns Sorgen machen, dass die Rakete auf Deutschland niedergeht?

Ulrich Walter: Nein. Wir können absolut ausschließen, dass die Rakete über Deutschland herunterkommt, höchstens über Süditalien. Das ist der Bereich, den die Rakete tatsächlich überfliegt. Sie überfliegt nicht Deutschland. Die Rakete fliegt eine Bahn, die so geneigt ist, dass sie am nördlichsten Punkt maximal in Rom runterkommt und am südlichsten in Kapstadt. Den genauen Ort und den Eintrittszeitpunkt können wir nicht berechnen.

Der Grund liegt in unserer Atmosphäre mit ihren Winden und ihren sich ändernden Höhen. Die Oberkante der Atmosphäre ist sehr ungenau berechenbar. Darum ist selbst eine ungefähre Eintrittsbahn sogar nur einen Tag vor dem Absturz nicht berechenbar. Momentan umfliegt die Rakete alle anderthalb Stunden die Erde.

Raktenteile meist Jahrzehnte im All

tagesschau.de: Im Mai 2020 waren nach dem ersten Flug des Raketentyps „Langer Marsch schon einmal Trümmerteile auf der Erde gelandet. Sie haben nach lokalen Berichten mehrere Häuser in Dörfern der Elfenbeinküste beschädigt.

Walter: Die gute Nachricht ist: Da die Erde zu 71 Prozent aus Wasser besteht, nämlich die Ozeane, ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass sie in einem Ozean herunterkommt. Und selbst wenn sie auf Land stürzt, wird sie wahrscheinlich keinen Menschen treffen, weil sie in einer unbewohnten Gegend aufschlägt.

Wir haben – grob gesagt – 50 bis 60 große Müllteile von Raketen und Satelliten, die jährlich die Erde treffen, und bislang ist noch nie ein großer Schaden passiert. Es gibt immer wieder große Weltraumteile, die auf die Erde fallen. Aber dieses Mal ist es eben etwas besonderes, weil diese Rakete bereits kurz nach ihrem Start wieder herunterkommt. Alte Satelliten und herkömmliche Raketenteile kommen erst nach 20 oder 30 Jahren wieder herunter.

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