Antisemitismus – ausgerechnet in New York


Nirgendwo in den USA sind Übergriffe auf Jüdinnen und Juden so häufig wie in New York. Die Corona-Krise macht sie für viele zum Sündenbock – und das Wissen über den Holocaust schwindet.

Antje Passenheim | tagesschau

Ein jüdischer Mann mit Atemschutzmaske in Manhattan. | AFP

Die New Yorkerin Doria Kahn trägt eine schwere deutsche Geschichte mit sich: „Mein Großonkel, der Bruder meines Opas, war einer der ersten getöteten Juden, mit denen der Holocaust begann“, erzählt die Studentin in einem Café nahe der New York University.

Arthur Kahn liegt auf dem Neuen Jüdischen Friedhof in Nürnberg begraben. Gerade mal 21 – zwei Jahre jünger als Doria heute ist – war der Medizinstudent aus Gemünden am Main, als die SS ihn und drei weitere Juden im April 1933 im KZ Dachau umbrachten. In Dorias Familie ist sein Schicksal bis heute allgegenwärtig. „Jedes Jahr zum Pessach-Fest erzählen wir die Geschichte zweimal. In der zweiten Nacht zünden wir Kerzen für meinen Großonkel an“, erzählt sie. „Er ist ein fester Teil unserer Familie. Mein Vater ist nach ihm benannt.“

Umso fassungsloser ist die Politik- und Wirtschaftsstudentin Doria heute darüber, dass wieder Steine durch Fenster von Synagogen fliegen – in New York, in der die größte jüdische Gemeinde außerhalb Israels lebt. „Es schmerzt. Ich bin niemals so erzogen worden, dass Antisemitismus eine Sache der Vergangenheit ist“, sagt sie. „Aber was gerade hier passiert, schockiert mich.“

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