NS-Verbrecher Josef Mengele: Der Mann an der Rampe


David Marwell zeichnet in einer Biografie den Werdegang Mengeles präzise nach und ordnet die Absurdität der grausamen Untersuchungen des KZ-Arzts ein. Die Suche nach dem Untergetauchten schildert er aus erster Hand – Marwell war selbst daran beteiligt.

Stephan Lehnstaedt | Süddeutsche Zeitung

Nach Josef Mengele wurde noch gesucht, als er längt tot war. Dieses Bild legte er 1956 den argentinischen Behörden vor, als er unter seinem richtigen Namen einen Personalausweis beantragte. (Foto: AP)

Viele Auschwitz-Überlebende erinnern sich an die Selektionen auf der Rampe durch den Arzt Josef Mengele. Die Zeugen berichten über Mengeles Handeln selbst dann, wenn ihre Deportation nachweislich nicht während dessen Einsatzzeit in Auschwitz stattfand. Das macht sie nicht zu Lügnern, vielmehr handelt es sich bei der Selektion durch Mengele um eine archetypische Episode des Holocaust, die inzwischen selbst schon Gegenstand der Forschung ist.

Sie zeigt, wie sehr gerade dieser Mediziner zu einem Synonym für die verbrecherischen Ärzte in diesem größten deutschen Vernichtungslager geworden ist. Wie kein anderer steht er für grausame Menschenversuche etwa an Kleinwüchsigen und besonders an Zwillingen. Bei all diesem rücksichtlosen, menschenverachtenden Vorgehen sah Mengele sich aber ausschließlich als Anthropologe und Mediziner im Dienste der pseudowissenschaftlichen NS-Rassenkunde.

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