100. Geburtstag von Sophie Scholl: Mit Gott gegen Hitler


Zum 100. Geburtstag der Widerstandskämpferin lohnt ein Blick hinter das teils verklärte Bild: wie aus einem begeisterten Hitlermädchen eine christliche Märtyrerin wurde

Stefan Weiss | DERSTANDARD

Ihren Kampf für ein besseres Deutschland bezahlten sie mit dem Leben: Hans Scholl, Sophie Scholl und Christoph Probst (v. li.). Wittenstein/akg-images/Picturedesk

Am 22. Februar 1943 wurden die Todesurteile vollstreckt. Flugblatt Nummer sechs, verteilt auf der Münchner Universität, war den Mitgliedern der studentischen Widerstandsgruppe Weiße Rose zum Verhängnis geworden. Nach einem Schnellverfahren, zu dem die nervös reagierende NS-Bürokratie ihren fanatischsten Blutrichter Roland Freisler abgestellt hatte, wurden Christoph Probst, Hans Scholl und seine Schwester Sophie mit dem Fallbeil hingerichtet.

Hitler, über die Flugblattaktionen von Himmler persönlich in Kenntnis gesetzt, könnte sogar selbst den Tötungsbefehl erteilt haben. Am Tag ihrer Festnahme hatte Propagandaminister Joseph Goebbels mit einer Rede im Berliner Sportpalast die Deutschen auf den „totalen Krieg“ eingeschworen. Rhetorisch bezogen sich beide, Goebbels und die Widerständler in Flugblatt Nummer sechs, auf die Freiheit des deutschen Volkes – wo der eine den endgültigen Übergang zum Vernichtungskrieg im Osten forderte, wollten die anderen nichts lieber als die Beseitigung der Nazi-Tyrannei.

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